Anlässlich des 200. Jahrestages der Neugründung des Herzogtums Sachsen-Altenburg präsentiert das Schlossmuseum im Residenzschloss Altenburg vom 23. Juni bis zum 27. September 2026 die Ausstellung „Koffer, Kutschen und Kartons“. Mit Blick auf die Geschichte des Jahres 1826, in dem Friedrich von Sachsen-Hildburghausen als neuer Herzog von Sachsen-Altenburg in die ostthüringische Residenzstadt einzog, steht die Ausstellung ganz im Zeichen des Ankommens in Altenburg. Dabei wird die Geschichte über das Jahr 1826 hinausgesponnen und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso beleuchtet wie das Ankommen in der neuen Heimat Altenburg in unseren Tagen.
Aufbrüche gehören zum Leben: Umzüge, Jobwechsel, Neuanfänge. Ähnlich erging es Herzog Friedrich und seiner Familie, als sie im November 1826 von Hildburghausen in ihre neue Residenz Altenburg umzogen. Vorausgegangen waren langjährige Verhandlungen zwischen den erbberechtigten Herzogshäusern um das Territorium der ausgestorbenen Linie der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg. Der gefundene Kompromiss sah vor, dass Herzog Friedrich sein angestammtes Hoheitsgebiet Sachsen-Hildburghausen gegen Sachsen-Altenburg tauschte.
Am 18. November 1826 lasen die Bewohner Hildburghausens in der Zeitung, dass ihr Landesherr sein Herzogtum aufgegeben und stattdessen den Staat Sachsen-Altenburg in Besitz genommen hatte. Schon einen Tag zuvor hatte Herzog Friedrich am frühen Morgen eine Kutsche bestiegen, um seine Heimatstadt zu verlassen. Damit gewann Altenburg den seit 1672 verlorenen Status als Hauptresidenz eines regierenden Hauses wieder. Während der Abschied von Hildburghausen in aller Stille vollzogen wurde, arbeitete man in Altenburg seit Wochen an den Vorbereitungen zum feierlichen Empfang des neuen Landesvaters. Verordnungen wurden erlassen, um beispielsweise am Tag des Einzugs „das unnütze Herumschweifen der Kinder (…) nicht zu gestatten.“ Bunte Lampen, Schnittblumen, Kränze und Girlanden zur Ausschmückung der Häuser fanden reißenden Absatz.
Die Ausstellung im Schlossmuseum schlägt anhand verschiedener Themenkomplexe die Brücke von den historischen Ereignissen des Jahres 1826 bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt der Schau steht die Frage, wie sich das Ankommen in einer neuen „Heimat“ damals und heute gestaltet. Nebenbei veranschaulicht sie anhand einer Vielzahl grafischer Arbeiten, Gemälde, Dokumente, Medaillen und historischer Objekte aus eigenen Beständen und von zahlreichen privaten wie öffentlichen Leihgebern 200 Jahre Stadt- und Regionalgeschichte.
Den Auftakt der Ausstellung bildet der Einzug des Herzogs in seine neue Residenz. Ganz wie Herzog Friedrich vor 200 Jahren durchschreiten die Besucherinnen und Besucher die Nachbildung eines Triumphbogens, der 1826 an der Schlossauffahrt errichtet wurde und nun in Kooperation mit der Innova eigens für die Schau angefertigt wurde. Anschließend werden der Weg des neuen Herzogs nach Altenburg sowie seine Ankunft in der Residenz anhand zahlreicher Exponate nachgezeichnet. Neben Huldigungsschriften und einer Liedschrift zum Einzug des Herzogs zählen dazu auch eine damals verwendete Fahne. Im Anschluss richtet die Ausstellung ihren Fokus auf die Familienmitglieder Herzog Friedrichs, die mit ihm nach Altenburg kamen sowie die Vorgeschichte der Landesteilung.
Welche Veränderungen der Einzug des Herzogs in seine neue Residenz mit sich brachte, beleuchtet ein weiterer Schwerpunkt der Sonderausstellung. So war es ein vordringliches Ziel Friedrichs, die Schlossanlage mitsamt ihren Wohnräumen zu ertüchtigen. Anhand einer Auswahl historischen Mobiliars und von Dekorationsgegenständen wird ein Eindruck von der damaligen Inneneinrichtung vermittelt. Zudem werden die herzoglichen Gärten vorgestellt, die sowohl repräsentativen Zwecken als auch der Versorgung dienten und deshalb frühzeitig umgestaltet oder neu angelegt wurden. Ausgestellte Gartenpläne aus der Zeit dokumentieren dies. Von zentraler Bedeutung für Friedrichs Nachfolger, seinen Sohn Joseph, war wiederum der Aufbau einer fürstlichen Sammlung. Die Ausstellung präsentiert herausragende Exponate daraus, darunter Asiatika, die auf eine Schenkung Bernhard August von Lindenau zurückgehen. Zu den ungewöhnlichsten Objekten zählen neben überlebensgroßen, chinesischen Grafiken das Modell einer Gondel, die einst auf dem Großen Teich in Altenburg verkehrte oder die sogenannte Henneberger Kriegslaterne aus dem 16. Jahrhundert.
Daran schließt sich ein Themenkomplex zu den aufkommenden Konfliktfeldern innerhalb des neugegründeten Herzogtums an. Unruhen infolge hoher Steuern und Abgaben, ausbleibender Verwaltungsreformen sowie des großen Einflusses zugezogener Beamter aus Hildburghausen führten 1831 zur Einführung einer neuen Verfassung. Der Weg dorthin wird anhand historischer Dokumente, Auszüge aus Gesetzestexten und bildlicher Darstellungen der Krawalle illustriert. Zu den gezeigten Exponaten gehört auch ein Exemplar des historischen Grundgesetzes von 1831. Daran anschließend richtet die Ausstellung den Blick auf die Verwaltungsstrukturen des Herzogtums und seine prägenden Persönlichkeiten.
Trotz wiederkehrender Spannungen profitierte das Herzogtum von günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Industrialisierung manifestierte sich in der Ansiedlung zahlreicher Manufakturen und Fabriken und führte zugleich zu einer Ausweitung des Stadtgebiets. Lithografien und Gemälde vermitteln einen Eindruck von der enormen Dynamik der Stadtentwicklung in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die damals entstandenen Gebäude für Verwaltung, Bildung, Wirtschaft und Kultur sind in großer Zahl erhalten geblieben und prägen das Stadtbild bis heute. So spannt die Sonderausstellung zugleich den Bogen in die Gegenwart.
Der zweite Teil der Ausstellung richtet den Blick auf das Ankommen in Altenburg nach 1826 bis hinein in das Jahr 2026. In den vergangenen 200 Jahren zog es zahlreiche Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen und Ländern nach Altenburg und in die umliegenden Ortschaften. Einige kamen der Liebe wegen, andere aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Dazu zählen etwa Menschen, die in den Braunkohlerevieren des Umlandes, im Uranbergbau oder den Fabriken Arbeit und Auskommen suchten, ebenso wie Vertragsarbeiter, die sich nach der politischen Wende in Altenburg eine neue Existenz aufbauten. Hinzu kamen im 20. und 21. Jahrhundert viele Menschen, die aus politischen Gründen ihre Heimat verlassen mussten – etwa infolge der beiden Weltkriege oder in jüngerer Zeit aufgrund von Kriegen in Osteuropa und dem Nahen Osten. Diese Menschen prägen das Gesicht der Region bis heute maßgeblich. Die Besucherinnen und Besucher können in diesem Teil der Ausstellung Geschichten über das Ankommen entdecken – und ihre eigene Geschichte ergänzen.
Mit einem Willkommens-Pass kann die Ausstellung darüber hinaus aus einer weiteren Perspektive erkundet werden: Darin wird der Blick auf besondere Geschichten der Ausstellung gelenkt und eine aktive Auseinandersetzung mit den Geschichten rund um einzelne Persönlichkeiten oder Gegenstände ermöglicht, die ebenfalls nach Altenburg kamen. An mehreren Stationen innerhalb der Ausstellung können die dazugehörigen Aufgaben gelöst werden. Es gibt aber auch ohne Pass die Möglichkeit, einzelne Themen in den Ausstellungsräumen an Stationen aktiv zu erkunden. Die gesamte Ausstellung wurde als Gemeinschaftsarbeit zwischen den Abteilungen Sammlung und Kuns- und Kulturvermittlung konzipiert.
Die Schau versammelt insgesamt etwa 200 Exponate, darunter auch Leihgaben aus anderen Häusern. Für ihren Beitrag zur Realisierung der Ausstellung danken die Altenburger Museen der Friedenstein Stiftung Gotha, der Klassik Stiftung Weimar, dem Stadtmuseum Hildburghausen sowie den Staatsarchiven Altenburg und Gotha, die neben weiteren privaten Leihgebern Exponate für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben. Darunter zählen die Kinderschuhe Prinzessin Thereses von Sachsen-Hildburghausen (um 1800, Stadtmuseum Hildburghausen), ein von Ludwig Doell angefertigtes Porträt von Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg (1812, Friedenstein Stiftung Gotha) sowie der Teilungsvertrag von 1826 (Staatsarchiv Altenburg – Landesarchiv Thüringen).
Anlässlich des 200. Jahrestages des Inkrafttretens des Teilungsvertrags zu Hildburghausen werden in einer Doppelausstellung unter dem Titel „Coburg | Gotha | 1826 – Ein Herzog. Zwei Residenzen“ die historischen Ereignisse des Jahres 1826 aus mehreren Perspektiven beleuchtet. Veranstalter sind die Friedenstein Stiftung Gotha, die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, die Veste Coburg, die Landesbibliothek Coburg sowie die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
Während in Coburg Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha im Mittelpunkt steht (22. Mai bis 20. September 2026), widmet sich die Gothaer Ausstellung seinen Netzwerken am Hof (12. April bis 5. Juli 2026). Darüber hinaus präsentiert die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ebenfalls in Gotha eine flankierende Ausstellung (12. April 2026 bis 3. Januar 2027). Darin werden die Hintergründe und Protagonisten der Ereignisse des Jahres 1826, insbesondere Ernst I. und seine Gemahlin Luise, näher beleuchtet.
Ab Herbst 2026 werden in der Landesbibliothek Coburg sowie im Staatsarchiv Coburg zwei weitere Ausstellungen zum Dynastiewechsel präsentiert.
Zudem werden in den beteiligten Einrichtungen zahlreiche Begleitveranstaltungen, darunter Vorträge und Führungen, angeboten.
Sonntag, 21. Juni 2026, 15 Uhr
Ausstellungseröffnung
im Residenzschloss Altenburg | Festsaal
Sonntag, 28. Juni I 26. Juli I 9. August I 23. August I 20. September 2026, jeweils 14 Uhr
Sonntagsführung durch die Sonderausstellung
im Residenzschloss Altenburg | Treffpunkt: Museumskasse
3 € p. P.
6. bis 14. August 2026
Angebote in den Sommerferien
Das Programm ist auf der Website des Residenzschlosses Altenburg abrufbar.
Anmeldung erforderlich: 03447 8955-451/- 520 oder studio@altenburger-museen.de
Mittwoch, 15. Juli 2026, 18 bis 20 Uhr
Werkstatt am Abend für Erwachsene
Fotografie + Wein: Fotosafari durch Altenburg
Ausgehend von den Standorten in Altenburg, die in der Ausstellung vorgestellt werden, wollen wir auf Fotosafari gehen und eigene Highlights finden.
mit Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittlern der Altenburger Museen
Treffpunkt: Museumskasse im Residenzschloss Altenburg
15 € p. P. (ein Glas Wein inkl.)
Anmeldung ab 1. Juni 2026: 03447 8955-520 oder studio@altenburger-museen.de
Mittwoch, 29. Juli 2026, 19 Uhr
Vortrag: Was vom Herzog übrigblieb – Hildburghausen nach 1826
mit Michael Römhild, Stadtmuseum Hildburghausen
im Residenzschloss Altenburg | Bachsaal
Mittwoch, 12. August 2026, 18 bis 20 Uhr
Werkstatt am Abend für Erwachsene
Furnierholz + Wein: Ein Bild aus Holz entsteht
Inspiriert vom Parkettkatalog des Leipziger Tischlermeisters Wilhelm Neeff und den Parkettböden des Residenzschlosses, laden wir Sie ein, eigene Motive aus Holz entstehen zu lassen. Mit einer Flechttechnik setzen wir farbige Furnierholzstreifen zu Bildern zusammen.
mit Susann Schade, Holzbildhauerin
im Residenzschloss Altenburg | Treffpunkt: Museumskasse
15 € p. P. (ein Glas Wein inkl.)
Anmeldung ab 1. Juni 2026: 03447 8955-520 oder studio@altenburger-museen.de
Mittwoch, 26. August 2026, 19 Uhr
Vortrag: Blick über den Tellerrand – Der Teilungsvertrag und seine Folgen für Coburg und Gotha
mit Dr. Marcus Pilz, Kunstsammlungen der Veste Coburg
im Residenzschloss Altenburg | Bachsaal
Sonntag, 20.09.2026, 14 bis 17 Uhr
Thüringer Schlösserkindertag
Kommt zum Drucken, Werkeln mit Holz oder für ein Selfie ins Museum! An diesem Tag finden verschiedene künstlerische Aktionen statt.
im Residenzschloss Altenburg
1 € p. P.
Ausstellungsrundgang mit Workshop
ab Klassenstufe 1
Ich packe meinen Koffer
Reisen bedeutet Aufregung, Abenteuer und wenig Platz für alles, was mitgenommen werden soll. Die Ausstellung verrät uns, was der Herzog vor 200 Jahren bei seinem Umzug mit nach Altenburg gebracht hat. Am Ende des Rundgangs packen wir gemeinsam einen Koffer und drucken unsere Ideen auf ein großes „Kofferplakat“.
ab Klassenstufe 5
Aus Alt mach Neu
Bevor jemand in ein neues Zuhause umzieht, können Baumaßnahmen nötig sein. Wir schauen gemeinsam in der Ausstellung was im Residenzschloss nach der Ankunft des Herzogs umgebaut wurde. Danach versuchen wir uns im Handwerk und erstellen nach eigenen Entwürfen ein Modell für ein neues Parkett der Schlossböden.
ab Klassenstufe 9
Mut zur Veränderung
Herzog Friedrich führte nach seinem Umzug nach Altenburg viele Reformen durch und erließ eine neue Verfassung. Gemeinsam schauen wir uns in der Ausstellung Beispiele dazu an. In einem Planspiel nähern wir uns zum Thema Privilegien.
Anmeldung unter: 03447 8955-453/- 520 oder schule@altenburger-museen.de
Allgemeine Informationen zur Ausstellung
23. Juni bis 27. September 2026
Koffer, Kutschen und Kartons – 200 Jahre Ankommen in Altenburg
Sonderausstellung des Schlossmuseums im Residenzschloss Altenburg
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, an Feiertagen
10 bis 17 Uhr
Eintritt: 8 €/6 € (ermäßigt)
Der Zugang zu den Ausstellungsräumen ist nicht barrierefrei.
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