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Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen, scharfe Schnitte | Besucher in der Sonderschau mit Scherenschnitt von Luise Neupert

Besucher in der Sonderschau mit Scherenschnitt von Luise Neupert (Foto: Hannes Menzer)

Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen, scharfe Schnitte

Kunst, Kultur & Freizeit
13.07.2026, 10:51 Uhr
Von: Museum Burg Posterstein
Auf Burg Posterstein zeigt eine Kabinettausstellung rund 60 Scherenschnitte von Luise Neupert – ergänzt um Werbegrafik und ein persönliches Vermächtnis des Künstlerpaars Neupert.

Posterstein - „Die Eulen hat’s gefreut, mal eine nackige Dame zu seh’n“ – mit diesem augenzwinkernden Limerick brachte Luise Neupert 2005 in einem Video-Interview ihre Kunst auf den Punkt. Trocken ergänzte sie: „Das kommt alles davon, dass mein Mann und ich ein Berufsleben Unterwäsche fotografiert haben.“ Hinter dem charmant frechen Ton steckt ein konsequent eigener Stil: Luise Neupert verband Witz und Erotik mit einer Technik, die sie virtuos beherrschte – den Scherenschnitt.

Luise Neupert, geboren als Elise Luise Keil am 14. September 1926 in Chemnitz, studierte unter anderem an der Kunstgewerbeschule Leipzig sowie an der Staatlichen Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. In der Fachrichtung Grafik lernte sie bei namhaften Lehrkräften wie Elisabeth Voigt, Max Schwimmer, Kurt Magritz und Egon Pruggmeyer. Auch nach der Studienzeit blieb sie mit ihrem Kommilitonen Wolfgang Mattheuer freundschaftlich verbunden. An der Leipziger Hochschule begegnete sie zudem ihrem späteren Ehemann: Hans Neupert (1920–2019). 1952 heirateten sie, zogen gemeinsam ins thüringische Schmölln und lebten dort bis zu Luise Neuperts Tod am 31. Juli 2009.

Gemeinsam prägten die beiden das Feld der Gebrauchsgrafik mit einem unverkennbaren Gespür für Blickfang, Rhythmus und pointierte Gestaltung. Leicht bekleidete Tänzerinnen, Nixen, Nymphen sowie elegante Damen – und auch Herren – fanden ihren Weg in Werbung und Scherenschnitt. Witz und Erotik wurden dabei zum Markenzeichen des Künstlerpaares.

Auf Burg Posterstein trifft diese Handschrift nun auf Publikum im Rahmen der Kabinett-Ausstellung „Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“. Neben fast 60 originalen Scherenschnitten von Luise Neupert sind darin außerdem werbegrafische Arbeiten des Ehepaars Neupert zu sehen. Dazu zählen unter anderem Werbekalender, Verpackungen und Broschüren, die aus der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Gera stammen. Besonders präsent ist auch der Blick in die DDR-Werbewelt: Hans Neupert und Luise Neupert gestalteten später Messeauftritte und Werbeprodukte wichtiger Handelsunternehmen, darunter Wiratex, AKA-Electric, MALIMO, Zeiss-Jena, Lucie Kaiser Altenburg, Wolle&Seide Meerane und das Chemiefaserkombinat Schwarza.

Den Ausstellungskosmos erweitern zudem Teile des persönlichen Nachlasses des Künstlerpaares, der dem Museum per Vermächtnis übergeben wurde. So entsteht ein stimmiges Bild davon, wie eng angewandte Gestaltung und bildende Kunst bei den Neuperts ineinandergreifen.

Trotz ihrer Arbeiten für Werbung und Gebrauchsgrafik blieb Luise Neupert auch als Künstlerin aktiv: Sie illustrierte Bücher unter anderem mit Federzeichnungen, Zeichnungen und Scherenschnitten. Besonders meisterhaft setzte sie ihre Ideen mit der Schere um. Sie holte den klassischen Scherenschnitt mit ihrer Motivwahl aus einer „verstaubten Ecke“ – heraus aus dem bloßen Handwerk, hinein in Ironie, Erotik, Einfallsreichtum und grandiose Technik. Ihre Werke fanden nicht nur Eingang in große Sammlungen, sondern wurden vielfach publiziert.

Bisher haben fast 9000 Besucherinnen und Besucher die Postersteiner Ausstellung gesehen. Zuletzt ist sie noch bis 15. November 2026 zu sehen.
 

Besucher in der Sonderschau mit Scherenschnitt von Luise Neupert (Foto: Hannes Menzer)

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