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100 Jahre Luise Neupert: Schmölln, Posterstein und Quedlinburg feiern die Künstlerin | Ausstellung „Frauen sind“ im Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg

Ausstellung „Frauen sind“ im Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg (Foto: Museum Burg Posterstein)

100 Jahre Luise Neupert: Schmölln, Posterstein und Quedlinburg feiern die Künstlerin

Kunst, Kultur & Freizeit
24.08.2026, 09:26 Uhr
Von: Museum Burg Posterstein
Drei Ausstellungen in Quedlinburg, Posterstein und Schmölln widmen sich 2026 der Künstlerin Luise Neupert. Zudem wird ihr 100. Geburtstag mit einem Fest gefeiert.

Luise Neupert im Mittelpunkt mehrerer Ausstellungen

Posterstein/Schmölln/Quedlinburg. Gleich mehrere Ausstellungen würdigen 2026 das Leben und Werk der Künstlerin Luise Neupert. Das Museum Burg Posterstein arbeitet dabei mit dem Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg zusammen.

Am 20. August 2026 wurde im Museum Lyonel Feininger die Ausstellung „Frauen sind“ eröffnet. Die Sonderschau stellt fünf aus Ostdeutschland stammende Künstlerinnen vor: Grita Götze, Kat Menschik, Kerstin Grimm, Tanja Pohl und Luise Neupert. Ihre sehr unterschiedlichen Werke ergeben ein vielstimmiges Panorama weiblicher Darstellungen, ohne dabei eine abschließende Definition zu geben.

Zur Ausstellung ist im Sandstein Verlag ein Katalog erschienen. Marlene Hofmann, Mitarbeiterin des Museums Burg Posterstein, steuerte dafür ein eigenes Kapitel über das Leben und Werk Luise Neuperts bei. Die Ausstellung „Frauen sind“ ist bis zum 11. Januar 2027 in Quedlinburg zu sehen.

Das Museum Burg Posterstein widmet sich derzeit ebenfalls der Künstlerin. Die Sonderschau „Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ zeigt noch bis zum 15. November 2026 das Lebenswerk Luise Neuperts. Eine weitere von ihr inspirierte Ausstellung ist unter dem Titel „Märchenhaft geschnitten“ bis zum 18. September 2026 in der Rathausgalerie Schmölln zu sehen.

Zur Eröffnung in Quedlinburg waren auch Vertreterinnen und Vertreter aus Schmölln und Posterstein angereist.

Scherenschnitt-Workshop auf Burg Posterstein

Passend zur Ausstellung „Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ lädt der Freundeskreis Scherenschnitt Schmölln am Sonntag, 13. September 2026, um 15:00 Uhr zu einem Workshop auf Burg Posterstein ein. Den Freundeskreis hatte Luise Neupert einst selbst gegründet.

Der Unkostenbeitrag beträgt 10 Euro. Darin enthalten ist auch der Eintritt in das Museum.

Geburtstagsfest zum 100. Geburtstag in Schmölln

Luise Neupert, die am 14. September 1926 als Elise Luise Keil in Chemnitz geboren wurde, studierte unter anderem an der Kunstgewerbeschule Leipzig und an der Staatlichen Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Dort belegte sie die Fachrichtungen Werbewesen und Grafik. Zu ihren Lehrenden gehörten unter anderem Elisabeth Voigt, Max Schwimmer, Kurt Magritz und Egon Pruggmeyer. Während ihres Studiums lernte sie den Künstler Hans Neupert kennen, den sie 1952 heiratete.

Gemeinsam zog das Paar in Hans Neuperts Heimatstadt Schmölln. Dort machten sie sich als freiberufliche Gebrauchsgrafiker überregional einen Namen. Witz und Erotik wurden zu charakteristischen Elementen ihrer Arbeiten. Leicht bekleidete Tänzerinnen, Nixen, Nymphen und elegante Damen und Herren fanden Eingang in Werbematerialien und Scherenschnitte.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Luise Neupert wird in Schmölln ein Geburtstagsfest veranstaltet. Für die musikalische Umrahmung sorgen Matthias und Michael von Hintzenstern. Wegbegleiter, Freunde des Künstlerpaares und Zeitzeugen erinnern sich mit persönlichen Geschichten an Luise Neupert und geben Einblicke in ihr Leben und ihre Arbeit.

Außerdem wird ein von Gunther Auer zusammengestellter Film gezeigt, der das Leben und Wirken der Künstlerin nachzeichnet. Auch kulinarisch steht Luise Neupert im Mittelpunkt: Neben einem Sektempfang und kleinen Köstlichkeiten werden nach ihren Rezepten Minestrone und Zitronenkuchen gereicht. An diesem Abend besteht zudem die Gelegenheit, die Ausstellung in der Rathausgalerie noch einmal in Ruhe zu besichtigen.

Ausstellung auf Burg Posterstein zählt fast 11.500 Besucher

Die Sonderschau „Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ auf Burg Posterstein stieß bereits auf großes Interesse. Fast 11.500 Besucherinnen und Besucher haben die Ausstellung gesehen.

Zu den besonderen Dokumenten gehört ein Video-Interview aus dem Jahr 2005. Darin trägt Luise Neupert einen ihrer humorvollen Limericks vor:

„Da reist eine Dame nach Athen.
Die wollt mal nach den Eulen sehen.
Das hat sie nicht bereut.
Die Eulen hat’s gefreut,
mal eine nackige Dame zu seh’n.“

Auf die Frage nach dem Ursprung ihrer Motive bemerkte die Künstlerin damals trocken: „Das kommt alles davon, dass mein Mann und ich ein Berufsleben Unterwäsche fotografiert haben.“

In der Kabinettausstellung sind neben knapp 60 originalen Scherenschnitten auch werbegrafische Arbeiten des Ehepaares Neupert zu sehen. Dazu gehören Werbekalender, Verpackungen und Broschüren für verschiedene Unternehmen. Die Exponate stammen unter anderem aus der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Gera.

Gemeinsam gestalteten Luise und Hans Neupert später Messeauftritte und Werbeprodukte bedeutender Handelsunternehmen der DDR, darunter Wiratex, AKA-Electric, MALIMO, Zeiss-Jena, Lucie Kaiser Altenburg, Wolle & Seide Meerane und das Chemiefaserkombinat Schwarza. Auch Teile des persönlichen Nachlasses des Künstlerpaares, die dem Museum per Vermächtnis übergeben wurden, sind in der Ausstellung zu sehen.

Luise Neupert widmete sich neben der Gebrauchsgrafik stets auch der bildenden Kunst. Sie illustrierte Bücher mit Federzeichnungen, Zeichnungen und Scherenschnitten. Besonders eindrucksvoll setzte sie ihre Ideen mit der Schere um. Durch ihre ungewöhnliche Motivwahl, ihren Humor, ihre Ironie und ihre technische Meisterschaft verlieh sie dem Scherenschnitt neue Impulse. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Publikationen veröffentlicht und fanden Eingang in die Sammlungen großer Museen.
 

Eröffnung der Ausstellung „Frauen sind“ im Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg mit Dr. Adina Christine Rösch. (Foto: Museum Burg Posterstein)

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