Das antike Volk der Etrusker, das zwischen dem 7. und 1. Jahrhundert v. Chr. im heutigen Mittelitalien lebte, übte eine große Anziehungskraft auf Bernhard August von Lindenau (1779–1854) aus. Für die Einrichtung seiner Kunstschule legte er besonderen Wert auf die Anschaffung authentischer etruskischer Gefäßkeramik, und auch in Lindenaus Kunstbibliothek sind die damaligen Standardwerke zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Etruskern zu finden.
Künstlerinnen und Künstler der Moderne zeigten sich von den Etruskern ebenso fasziniert: Sie besuchten die Nekropolen Etruriens, sammelten etruskische Artefakte und ließen sich von der archaischen Formensprache zu eigenen Schöpfungen „im Stil der Etrusker“ inspirieren. Einer dieser vom Etrusker-Fieber angesteckten Künstler ist der aus Weimar stammende Maler Horst de Marées (1896–1988). Während seines Aufenthalts in Florenz ab 1927 entstand seine knapp 150 Objekte umfassende archäologische Sammlung, die neben griechischen und römischen vor allem etruskische Erzeugnisse enthält, darunter spätetruskische Kastenurnen. Im Zuge seiner „Republikflucht“ in die Bundesrepublik Deutschland 1960 kam die Kollektion zunächst zur Verwahrung ins Lindenau-Museum Altenburg. Im November 2022 schenkte sie die Erbin des einstigen Eigentümers schließlich dem Museum.
Die KUNSTWAND-Präsentation „Faszination Etrusker – Provenienzforschung und Archäologie im Lindenau-Museum“ zeigt ausgewählte etruskische Stücke, die von Lindenau und Marées erworben wurden. Daneben sind auch Grafiken nach Italien reisender Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter auch eigene Arbeiten des Sammlers, zu sehen. Zur Eröffnung der Präsentation am 22. Oktober 2026, 18 Uhr, wird zudem die gleichnamige Publikation (126 Seiten, ISBN: 978-3-86104-059-0, 15 EUR) vorgestellt, die sich eingehend mit den Sammlungen und ausgewählten Objekten beschäftigt.
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