In diesen Tagen beginnt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das neue Schuljahr. Wenn nach den Sommerferien wieder tausende Schülerinnen und Schüler täglich zur Schule und zurück unterwegs sind, steigt auch die Zahl der Situationen im Straßenverkehr, die für Kinder gefährlich werden können – nicht nur für Erstklässler.
Gerade für Schulanfänger ist der Schulweg eine besondere Herausforderung. Deshalb sollten Eltern den Weg zur Schule frühzeitig mit ihren Kindern üben. So lassen sich mögliche Gefahrenstellen gemeinsam besprechen und sicheres Verhalten kann praktisch trainiert werden. Dabei gilt: Der kürzeste Weg ist nicht automatisch der sicherste.
Die aktuelle Thüringer Verkehrsunfallstatistik zeigt, dass Schulwegunfälle kein Einzelfall sind. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Unfälle mit Schulkindern weiter an. Insgesamt wurden 6,7 Prozent mehr Schulwegunfälle registriert. Bei Unfällen mit Personenschaden lag der Anstieg sogar bei 16,7 Prozent. Leider kam auch ein Kind auf dem Schulweg beim Überqueren der Straße ums Leben.
Insgesamt wurden 2025 bei Schulwegunfällen 39 Schulpflichtige im Alter von 6 bis unter 15 Jahren verletzt oder getötet. Am häufigsten verunglückten Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren: 16 Kinder mit dem Fahrrad, 15 als Fußgänger.
„Gerade in den ersten Wochen nach Schulbeginn ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Autofahrer sollten jetzt verstärkt auf die wieder am Straßenverkehr teilnehmenden Kinder und Jugendlichen achten“, sagt Verkehrsexperte Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen. Kinder könnten Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen. Deshalb sei es entscheidend, dass Eltern den Schulweg gemeinsam mit ihren Kindern trainieren.
Besonders wichtig sei der Rücksichtnahme-Gedanke auch für die Jüngsten: Erstklässler absolvieren den Weg häufig erstmals allein und sind im Umgang mit Verkehrssituationen noch unerfahren.
Das Überqueren von verkehrsreichen Straßen und Kreuzungen stellt für Kinder eine große Hürde dar. Eltern sollten darauf drängen, dass Kinder stets Fußgängerüberwege oder Ampeln nutzen. Außerdem sollten sie eindringlich erklären, dass leider nicht jeder Autofahrer rücksichtsvoll und aufmerksam fährt.
Der Schulweg sollte so gewählt werden, dass Straßenüberquerungen nur in gut einsehbaren Bereichen erfolgen. Besonders riskant ist es, die Straße zwischen parkenden Autos zu überqueren: Kinder werden aufgrund ihrer kleineren Silhouette von Autofahrern oft deutlich schlechter wahrgenommen als Erwachsene.
Eltern sollten die letzten Tage vor Schulbeginn nutzen, um den Weg zur Schule und zurück mit ihren Kindern einzuüben – am besten zu den Zeiten, in denen der Schulweg auch später bewältigt werden muss. „Gerade Erstklässlern sollten die konkreten Gefahren im Straßenverkehr genau erklärt werden, bevor sie den Schulweg allein bewältigen müssen“, rät Schauffler.
Wichtig sei: Es geht nicht um eine Rekordzeit, sondern um den sichersten Weg. „Ein kleiner Umweg erweist sich nicht selten als weniger gefährliche Route“, so der Verkehrsexperte.
Auch nach der letzten Unterrichtsstunde spielt das Verhalten eine Rolle. Schulkinder wollen meist möglichst schnell nach Hause und achten auf dem Heimweg häufig nicht darauf, ob sie von anderen Verkehrsteilnehmern rechtzeitig wahrgenommen werden. Leichtsinnsunfälle häufen sich erfahrungsgemäß besonders in den frühen Nachmittagsstunden. Autofahrer sollten daher damit rechnen, dass ein Kind die Straße unverhofft überqueren könnte.
Viele Schülerinnen und Schüler sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Gerade bei Bus und Bahn lauern Gefahren, vor allem beim Ein- und Aussteigen. Schauffler empfiehlt: Das Nutzen von Bussen und Bahnen sollte speziell Erstklässlern zunächst nicht allein zugemutet werden.
Für Kinder, die mit dem Fahrrad zur Schule fahren, gilt ebenfalls: Der Weg sollte genau bekannt sein. Dazu gehört auch, dass Kinder sicher mit ihrem Fahrrad umgehen können. Ratsam ist, den Schulweg gemeinsam zu üben. Zusätzlich sollten ein verkehrssicheres Rad sowie ein Fahrradhelm selbstverständlich sein.
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