Altenburg kann in diesem Jahr einen weiteren runden Geburtstag feiern: die Stadtbibliothek. Seit 75 Jahren, genauer seit dem 1. Juli 1951, befindet sie sich an ihrem heutigen Standort in der Lindenaustraße 14. Anlass genug, auf die bewegte Geschichte des Hauses zurückzublicken.
Das heutige Gebäude in der Lindenaustraße 14 wurde im Jahr 1889 von Julius Spenner errichtet, einem Mitinhaber der Altenburger Spielkartenfabrik. Seine Initialen sind bis heute im Wappen über der Eingangstür zu finden. Im Jahr 1904 ging das Haus in den Besitz der Reichsbank über. Seit dem 1. Juli 1951 ist es die Heimat der Stadtbibliothek, die damals noch den Namen „Maxim Gorki“ trug.
An die frühere Nutzung erinnert ein besonderes Detail im Gebäude: Der ehemalige Tresorraum der Reichsbank befindet sich bis heute hinter Bücherregalen.
Der Grundbestand der Stadtbibliothek umfasste bei ihrer Eröffnung rund 20.100 Bände. Er setzte sich aus Beständen der aufgelösten Thüringischen Landesbibliothek zusammen. Das Angebot bestand damals ausschließlich aus Büchern, überwiegend Sachliteratur.
Mit den Jahren entwickelte sich die Bibliothek stetig weiter und passte ihr Medienangebot an die Bedürfnisse ihrer Nutzerinnen und Nutzer an. So hielten in den 1970er-Jahren Schallplatten Einzug. Seit 2012 können Konsolenspiele ausgeliehen werden, seit 2019 ergänzen auch „Tonies“ und „Galaktos“ das Angebot. So ist aus der einst reinen Büchersammlung eine moderne Bibliothek mit vielfältigen Medien für alle Generationen geworden.
Im Eröffnungsjahr 1951 zählte die Stadtbibliothek 2.640 Besucherinnen und Besucher sowie rund 62.000 Entleihungen. Trotz der Herausforderungen durch die Wendezeit, den demografischen Wandel und die veränderte Medienlandschaft konnte die Bibliothek ihre Bedeutung als kultureller Treffpunkt bewahren. Im Jahr 2025 verzeichnete sie bereits 16.752 Besuchende und 135.882 Entleihungen – sowohl physischer als auch digitaler Medien.
Auch die Arbeitsabläufe und das Angebot wurden kontinuierlich weiterentwickelt. Anfang der 1960er Jahre wurde die sogenannte Freihandausleihe eingeführt. Davor erhielten Leserinnen und Leser ihre gewünschten Bücher ausschließlich über das Bibliothekspersonal hinter der Ausleihtheke. Seit 1965 gehören Bibliothekseinführungen für Kinder zum festen Angebot. Mit dem Sozialen Bibliotheksdienst werden zudem seit vielen Jahren Menschen versorgt, die ihre Medien nicht selbst abholen können.
Weitere Meilensteine waren die Einführung der elektronischen Medienverbuchung im Jahr 2008 sowie die Ergänzung der Onleihe ab 2015. Damit ist der Zugriff auf digitale Medien jederzeit und von überall möglich.
Nun steht das nächste große Kapitel bevor: der Umzug in ein größeres, modernes und barrierearmes Gebäude. Erste Überlegungen dazu gab es bereits 2008, als unter anderem das Altenburger City Center und der Marstall als mögliche Standorte diskutiert wurden. Seit 2020 werden die Pläne konkret umgesetzt – für die neue Stadtbibliothek im Ernestinum.
Das Ernestinum liegt direkt neben der Brüderkirche und oberhalb des Marktplatzes. Das 1727 errichtete Gebäude blickt selbst auf eine bewegte Geschichte zurück: Es diente zunächst als Kloster, später als Schule, als Institut für Lehrerbildung und zuletzt als Institut für Sozialpädagogik. In den letzten Zügen seiner Sanierung steht es derzeit, bevor die Stadtbibliothek dort schon in wenigen Monaten ihre neuen Räume eröffnet.
Das Team der Stadtbibliothek freut sich darauf, diesen neuen Abschnitt gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern zu gehen.
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