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Kreisbauernverband bilanziert Ernte 2026: Bis zu 25 % weniger Erträge |

(Foto: Kreisbauernverband Altenburg e. V. )

Kreisbauernverband bilanziert Ernte 2026: Bis zu 25 % weniger Erträge

Arbeit & Wirtschaft Pressemitteilungen
14.08.2026, 17:11 Uhr
Von: Kreisbauernverband Altenburg e.V.
Beim diesjährigen Nacherntegespräch des Kreisbauernverbandes Altenburg rechnen Betriebe im Altenburger Land trotz guter Vermarktbarkeit mit erheblichen Ernteverlusten. Vor allem Weizen und Raps liegen vielerorts rund 25 % unter dem Vorjahr.

Die Landwirtschaft im Altenburger Land muss in diesem Jahr mit erheblichen Ernteausfällen rechnen. Das bilanzierte der Kreisbauernverband Altenburg e. V. beim diesjährigen Nacherntegespräch. Während die Wintergerste stabile Ergebnisse liefert, bleiben andere Getreidearten ertraglich deutlich hinter den Vorjahreswerten zurück.

Besonders betroffen sind Weizen und Raps: Viele Betriebe konnten hier vielerorts nur rund 25 % weniger Ernte einfahren als in den vergangenen Jahren. Als Ursachen nannten die Teilnehmer vor allem Wetterextreme wie Hitze, Frost und Hagel. Hinzu kämen geopolitische Entwicklungen, unter anderem durch den Iran- und Nahostkonflikt, sowie staatliche Vorgaben, die die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Erzeuger zusätzlich erschweren.

Trotz der vergleichsweise schwierigen Lage im gesamten Bundesland sieht der Kreisbauernverband das Altenburger Land im Vergleich zu ganz Thüringen noch „am besten aufgestellt“. Dennoch hätten die Ertragsverluste auch Auswirkungen auf die Umsatzerlöse, weil zugleich die Erzeugerpreise niedriger ausfielen. Gleichzeitig stiegen die Kosten deutlich – etwa für Personal, Diesel, Düngemittel und weitere Betriebsmittel. Insgesamt spitze sich die Lage daher weiter zu.

Qualität meist gut vermarktbar

Einen positiven Aspekt betonten die Teilnehmer trotz der Einbußen: Die Qualität der Erzeugnisse sei laut Händlern weiterhin gut vermarktbar. Bei einzelnen Fraktionen gebe es zwar Probleme, insbesondere bei Hektolitergewichten von Weizen und Raps, die auch für die Mühlenproduktion relevant seien. Insgesamt könne die Ware jedoch verkauft werden.

Stimmen und Einschätzungen der Gäste

Landrat Uwe Melzer machte deutlich, warum Landwirtschaft für das Altenburger Land besonders wichtig ist. „70 % unserer Flächen sind landwirtschaftliche Nutzfläche“, sagte er. Gleichzeitig signalisierte er Offenheit für Gespräche, die helfen sollen, Abläufe und Rahmenbedingungen in den Betrieben zu erleichtern.

Auch Bastian Leikeim, Eigentümer der Altenburger Brauerei GmbH, ordnete die Lage aus Sicht der nachgelagerten Betriebe ein. Die Nachfrage nach Bier sei gesunken, wodurch der Bedarf für Braugerste niedriger werde. „Nichtsdestotrotz nehmen wir die Herausforderung an – zum Beispiel mit dem alkoholfreien Bier hier bei uns in der Brauerei. Und da braucht man auch Braugerste“, sagte Leikeim und zeigte sich insgesamt dennoch verhalten optimistisch.

Die sinkenden Absatzzahlen hätten jedoch unmittelbare Folgen für Erzeugerpreise, erklärte Leikeim indirekt – diese nähern sich laut den Teilnehmenden bereits dem Niveau der Futtergerste an. Qualitätsaufschläge seien kaum noch vorhanden.

André Rathgeber vom Thüringer Bauernverband beschrieb die Situation als zunehmend angespannt. Die Betriebsmittelausgaben stellten die Betriebe vor erhebliche Wettbewerbsnachteile: „Das, was am Ende der Landwirt erhält, ist nicht das, was er versucht hat anzubauen oder zu kultivieren über das Jahr. Das wird sich nun sehr bei den Erträgen widerspiegeln.“ Viele Betriebe sähen bereits: Wenn es am Ende „plus minus null“ werde, sei das ein gutes Ergebnis.

Händler sehen Vermarktung trotz Einbußen

Falk Heimer von der Agroservice Altenburg-Waldenburg eG schilderte eine gemischte Entwicklung: Beim Gerstenanbau hätten die Betriebe „eine ausgezeichnete Gersteernte“ mit deutlich mehr Menge als in den letzten Jahren erzielt, zudem bei guter Qualität. Die Ernüchterung setze dagegen beim Raps ein; auch beim Weizen fehlten vielerorts die Erträge, unter anderem wegen geringer Hektolitergewichte. Trotzdem bewertete Heimer die Vermarktung der Ware insgesamt als gut. Die Qualitätsabstufung mit überwiegendem Anteil bei A sei noch zufriedenstellend.

Frühsaaten als entscheidender Faktor

Als „Gewinner“ des Jahres wurden die Frühsaaten beschrieben. Denis Fischer von der Kriebitzscher Agrargenossenschaft eG führte aus: Obwohl manche Flächen aufgrund von Kippböden eher qualitätsschwach gewesen seien, habe am Ende vor allem der Saatzeitpunkt über den Erfolg entschieden. „Umso eher man ausgesät hat, desto besser war der Ertrag.“ Deshalb sei die Wintergerste am Ende besonders überzeugend gewesen.

Obstbau: Anpassung an Klimawandel wird zentral

Zwei Tage im Juni mit über 40 Grad Celsius hätten auch im Obstbau deutliche Auswirkungen gehabt. Roberto Geier vom Obstgut Geier betonte, dass sich Betriebe im Altenburger Land auf den Klimawandel einstellen müssen. Für die Apfelernte sei die Installation von Tröpfchenbewässerung inzwischen nicht mehr wegzudenken. „Bis vor zehn Jahren hätte ich daran nie gedacht bei unserem Standort“, so Geier. Gleichzeitig richtete er einen Appell an die Politik: Diese müsse mit Blick auf zunehmende Wasserknappheit überlegen, wie die regionale Versorgung mit Lebensmitteln gesichert werden könne, wenn Wasserentnahme künftig stärker eingeschränkt wird.

Kurzfazit

Außer der Wintergerste sind die Erträge in der Landwirtschaft im Altenburger Land bis zu 25 % eingebrochen, teils sogar mehr. Wetterkapriolen sorgen immer häufiger für Ernteausfälle, die viele Betriebe nicht ausgleichen können. Qualitativ sehen die Vermarkter derzeit keine grundsätzlichen Probleme; einzelne Punkte wie Hektoliterzahlen bei Weizen und Raps stellen jedoch Anforderungen – auch für die Weiterverarbeitung in Mühlen. Insgesamt wächst der Bedarf, dass Politik und Landwirtschaft kurzfristig und mittelfristig gemeinsam Festlegungen treffen, wie regionale Lebensmittelproduktion bei zunehmender Wasserknappheit verlässlich gesichert werden kann.

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