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Den Advent in Zürchau eingeläutet | Jörg Hahnel mit der Kopie einer Karteikarte zu einer Glocke, die auf dem Hamburger Glockenfriedhof landete.

Jörg Hahnel mit der Kopie einer Karteikarte zu einer Glocke, die auf dem Hamburger Glockenfriedhof landete. (Foto: Petra Lowe)

Den Advent in Zürchau eingeläutet

Kunst, Kultur & Freizeit
04.12.2023, 18:02 Uhr
Von: Petra Lowe
Museologe Jörg Hahnel beginnt mit Geschichte zu Zürchauer Kirchenglocken ein vorweihnachtliches Wochenende

Zürchau. Zum ersten Mal wurde in Zürchau der Advent eingeläutet. Nicht nur im ursprünglichen Sinne. Am Freitagabend (1.12.2023) läuteten die Glocken der Zürchauer Kirche, um zu einem Vortrag über selbige ins Gotteshaus einzuladen. Museologe Jörg Hahnel aus Altenburg berichtete vom Schicksal der einstmals drei Glocken, die vom Turm der 1499 errichteten Kirche erklangen. Zwei sind heute zu hören, allerdings sind sie jüngeren Datums. Ihre Vorgänger fielen den Kriegen zum Opfer. Im 17. Jahrhundert, so Hahnel, hätte auch das kleine Dorf im Altenburger Land seinen Tribut an die Armeen zahlen müssen: zwei Glocken. 1898 erhielt die Zürchauer Kirche einen komplett neuen Glockenstuhl, der für drei Glocken ausgelegt war. Doch auch das war nicht von Dauer.
 

Hoffnung, alte Glocken zu finden

Wie Hahnel berichtete, mussten mit Beginn des 2. Weltkrieges Kirchenglocken an die Nazis gemeldet werden. In der größten Sammelstelle Deutschlands, dem Hamburger Glockenfriedhof, landeten fast 90.000 Glocken. Doch nicht alle wurden wegen ihrer Bronze, dem kriegswichtigen Material, eingeschmolzen oder gingen bei der Lagerung zu Bruch. Die Glocken seien in vier Gruppen eingeteilt worden, sagte Hahnel.  Rund 80 Prozent allerdings seien in die Gruppen A und B gefallen und vernichtet worden, darunter sogar viele kostbare aus dem Mittelalter. Glocken der Gruppe D sollten möglichst erhalten bleiben. 16.000 deutsche Glocken wurden bis 1950 laut Hahnel an Kirchen und Gemeinden zurückgegeben. Das Schicksal der Zürchauer Glocken blieb noch verborgen. Die Hoffnung aber besteht, dass sie nicht eingeschmolzen wurden. Auf rund 30.000 Karteikarten sind Glocken in einem Atlas im Gemanischen Nationalmuseum in Nürnberg erfasst und werden ausgewertet. Hahnel steht im Kontakt und hofft auf ein Ergebnis der Suche nach den Zürchauer Exemplaren vielleicht in einem Jahr. „Das wäre für uns von historischer Bedeutung“, sagte Hahnel.
 

Mathilda und Polina (vorn) im Lichte des Weihnachtsbauemes in Zürchau. Am Vormittag hatten die Zürchauer den acht Meter hohen Baum geschmückt. (Foto: Nicole Petzold)

Triade Weihnachtsbaum geschmückt

„Warum Glocken so bedeutsam sind für den Christenmenschen“, fragte er. Glockenläuten als jahrtausendalte Tradition strukturiere den Tag des Menschen. „Und es ist der Ton, den die Glocken erzeugen, der einem ruhigen Puls entspricht. Der warme und herzliche Ton erinnert an die Gemeinschaft der Menschen und ihrer mit Gott“, so Hahnel. Zum Zusammensein in der Gemeinschaft läuteten denn auch die zwei Glocken im Zürchauer Kirchturm, die in den 80er und 90er Jahren durch das Engagement von Zürchauern und Spenden angeschafft wurden.  Der Vortrag war ein gelungener Beginn für die Adventszeit in der 136-Seelen-Gemeinde, die viele Zürchauer über das Wochenende zusammenführte. Am Samstag wurde der Weihnachtsbaum fürs Dorf gefällt und von Groß und Klein aus Tannengrün Adventsdekoration gebastelt. Der Erste Advent schließlich gehörte dem Schmücken des acht Meter hohen Weihnachtsbaumes mit einer Triade aus drei Spitzen und einem besinnlichen Zusammensein im neuen und selbst umgebauten Dorfgemeinschaftshaus des Dorf- und Verschönerungsvereins Zürchau.
 

Weihnachtsbaum-Triade in Zürchau (Foto: Petra Lowe)

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