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Oltenburg - Zeitgenössische Kunst aus Olten und Altenburg | Nora Frohmann, color in the sky (Installationsansicht, Detail), 2021/24

Nora Frohmann, color in the sky (Installationsansicht, Detail), 2021/24 (Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2024)

Oltenburg - Zeitgenössische Kunst aus Olten und Altenburg

Kunst, Kultur & Freizeit Zeitgeschehen
18.04.2024, 14:15 Uhr
Von: Steven Ritter, KAG Altenburger Museen
Anlässlich der 30-jährigen Städtepartnerschaft zwischen dem schweizerischen Olten und Altenburg zeigt das Lindenau-Museum Altenburg vom 21. April bis zum 19. Mai 2024 die größte Gruppenausstellung seit Jahren:

Insgesamt zwölf Künstlerinnen aus beiden Städten präsentieren im Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg ein Panorama zeitgenössischer Kunst.
 

Von „Grauen Grüssen“ bis zur „Kartografie eines zwölfstimmigen Gesprächs“ 

Mit jeweils sechs künstlerischen Positionen aus Olten und Altenburg startet das Lindenau-Museum seinen diesjährigen Ausstellungsreigen im Prinzenpalais des Residenzschlosses. In den Ausstellungsräumen hinter den historischen Gemäuern begegnen sich in den kommenden Wochen die Werke von zwölf Protagonistinnen, die den Besucherinnen und Besuchern zugleich die Vielgestaltigkeit, die Verspieltheit und den Themenreichtum aktueller Kunst illustrieren.

Der Ausstellungstitel „Oltenburg“ entstand aus einem fortlaufenden Versprecher, als Olten und Altenburg während der Vorbereitung der Ausstellung immer mehr zum imaginären Ort „Oltenburg“ verschmolzen. Aus dem Arbeitstitel wurde dann der endgültige Titel der Ausstellung.

Die von Miriam Stadie, wissenschaftliche Volontärin am Lindenau-Museum Altenburg, kuratierte Ausstellung sieht jeweils einen Dialog zwischen den Künstlerinnen beider Städte vor. So beginnt der Ausstellungsrundgang mit Arbeiten der Altenburger Künstlerin Alexandra Preusser, die mit ihren farblich expressiven Malereien Stadtansichten Altenburgs zeigt und neue Perspektiven auf Altbekanntes liefert. Ihr wird Rachel Bühlmann gegenübergestellt – ebenfalls mit Stadtansichten jedoch aus der Schweiz. Der Fokus ihrer fotografischen Arbeiten liegt auf architektonischen Zeugnissen des Brutalismus.

Die Schau setzt sich mit einer Videoinstallation von Nicole Bussien fort. In „Als ob“ nehmen die Zuschauerinnen und Zuschauer die Gedankengänge einer Person wahr, die wiederum dazu auffordert, sich mit der eigenen Rolle in der Gesellschaft auseinanderzusetzen.
 

Dreidimensional erfahrbar sind die Werke Andrea Gerbers. Sie stellt alltägliche Gegenstände (z. B. eine Metzgerwaage) aus, erhebt sie zur Kunst und entbindet sie ihrer eigentlichen Funktion. Dabei spielen Mehrdeutigkeiten und die Komik infolge ihrer Präsentation eine entscheidende Rolle. Im Kontrast dazu zeigen die im gleichen Raum befindlichen Malereien Therese Hellers morbide Szenen. Mit raumgreifenden Bewegungen streifen Skelette über das Papier. Unter dem bezeichnenden Titel „Totentanz“ setzt sich die Künstlerin in der Werkserie mit der Sterblichkeit auseinander. 

Therese Heller, Totentanz V, 2024 (Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2024)

Die Illustrationen der Altenburger Künstlerin Julia Penndorf im darauffolgenden Ausstellungsraum ist eng mit dem Literaturklassiker „Die Ballade vom traurigen Café“ von der amerikanischen Autorin Carson McCullers (1917 – 1967) verknüpft. Die Cyanotypien spielen auf einzelne Passagen der Erzählung an. Ebenso schemenhaft wirken die Motive auf den Malereien von Andrea Nottaris. In ihren beiden Bildwerken greift sie Szenen aus der Natur bzw. Schauplätzen des öffentlichen Lebens auf. 

Das Spiel mit Licht und Farbe steht im Mittelpunkt der Exponate im nächsten Ausstellungsraum: Unter dem bezeichnenden Titel „colors in the sky“ treten die Besucherinnen und Besucher unter eine organisch anmutende Installation von Nora Frohmann. Wie eine Wolke aus Spektralfarben erstreckt sie sich über den Raum – und interagiert mit ihm. Die umliegenden Wände werden von Regina Graber bespielt. Ihre „Schattenfotografien“ bannen die Flüchtigkeit des Augenblicks auf Acrylglas. 

Zum Abschluss des Rundgangs werden nochmals drei unterschiedliche künstlerische Spielformen präsentiert: Bettina Francke orientiert sich mit ihren Keramiken an antiken Vorbildern und übersetzt sie in die Gegenwart. Dabei stellt sie sich die Frage nach „ikonischen“ Motiven der Jetzt-Zeit, die das Leben heute für die Nachwelt versinnbildlichen. Eine ganz neue Werkserie stellt Marianne Büttiker vor: Inspiriert von den früheren Tapetenfragmenten im Prinzenpalais und der Vorstellung eines imaginären Gesprächs zwischen den zwölf beteiligten Künstlerinnen hat sie mehrere Textilarbeiten geschaffen, die nun ausgestellt werden. An die Gestalt von Bindfäden erinnern im ersten Moment auch die Druckgrafiken Karin Pietschmanns, obschon sie damit auf die Gestalt von Regengüssen anspielt. Nur vordergründig setzt sich die Künstlerin hier mit einem meteorologischen Prozess auseinander. Vielmehr geht es ihr hier um die Darstellung physischer Erfahrungen und räumlicher Tiefe – perspektivische Korrektheit spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Zwei Städte, sechs Räume, zwölf Künstlerinnen, 30 Werke bzw. Werkserien – mit der Ausstellung „Oltenburg – Zeitgenössische Kunst aus Olten und Altenburg“ feiert das Lindenau-Museum Altenburg in Kooperation mit dem Kunstmuseum Olten eine dreißigjährige Städtepartnerschaft. Nach der Sonderausstellung zum Gerhard-Altenbourg-Preis 2023 und der Ausstellung zum Bernhard-August-von-Lindenau-Förderpreis (ab September 2024) beweist das Lindenau-Museum Altenburg mit „Oltenburg“ damit auch seine Bedeutung als einen der wichtigsten Ausstellungsorte für zeitgenössische Kunst in Mitteldeutschland. 
 

Die beteiligten Künstlerinnen


Rachel Bühlmann, geboren 1977 in Dussnang. Ausbildung zur Fotofachangestellten in Aarau. Studium der Medienkunst an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Aarau. Studium der Sound Studies an der Universität der Künste Berlin. Lebt und arbeitet in Olten.
www.rachelbuehlmann.ch

Marianne Büttiker, geboren 1963 in Olten. Ausbildung zur Textildesignerin an der Schule für Gestaltung in Basel. Viele Jahre selbstständige Textildesignerin und Kunstvermittlerin. Lebt und arbeitet in Basel und an wechselnden Orten.
www.mariannebuettiker.ch

Nicolle Bussien, geboren 1991 in Olten. Studium der Fine Arts an der Hochschule der Künste Bern. Mitbegründerin des Community Centers Living Room in Bern, das aktuelle Themen wie Rassismus und andere Formen der Ausgrenzung auf transformative Weise angeht. Lebt und arbeitet in Zürich.
www.nicollebussien.info

Bettina Francke, geboren 1975 in Altenburg. Ausbildung zur Fotografin. Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Rolf Kuhrt. Meisterschülerinnenstudium ebenda bei Sighard Gille. Seit 2013 technische Werkstattleiterin Lithografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Lebt und arbeitet in Leipzig.
www.bettina-francke.de

Nora Frohmann, geboren 1984 in München. Studium der Fotografie an der Hochschule München. Studium der Bildenden Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Alba d’Urbano und Tina Bara. Seit 2017 Mitglied der Company des Leipziger Tanztheaters. Seit 2020 Engagement für die Performing Arts in der Leipziger Feedbackinitiative you are warmly invited. Seit 2021 Kunstvermittlerin am Lindenau-Museum Altenburg. Lebt und arbeitet in Leipzig und Altenburg. www.norafrohmann.com

Andrea Gerber, geboren 1980 in Röthenbach im Emmental. Ausbildung zur Schreinerin in Windisch. Studium der Bildenden Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste. Lebt und arbeitet in Olten.
www.installativ.ch

Regina Graber, geboren 1971 in Zofingen. Kurse an der Schule für Gestaltung Bern. Weiterbildung im zeitgenössischen Tanz und in Choreografie in Zürich. Studium zur Primarlehrerin an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel. Lehramtsstudium für Kunst und Design ebenda. Lehrerin für Technisches Gestalten in Olten. Lebt und arbeitet in Olten.

Therese Heller, geboren 1971 in Leipzig. Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Rolf Kuhrt. Auslandsaufenthalt in Spanien. Meisterschülerinnenstudium bei Rolf Kuhrt. Seit 2010 Dozentin im studio des Lindenau-Museums Altenburg. Lebt und arbeitet in Leipzig.
www.therese-heller.de

Andrea Nottaris, geboren 1970 in Olten. Fachklasse für Keramik-Design an der Schule für Gestaltung Bern. Realisation verschiedener Kunst am Bau-Projekte. Ist mit Arbeiten in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten. Lebt und arbeitet in Olten.
www.andreanottaris.ch

Julia Penndorf, geboren 1975 in Altenburg. Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Studium der Illustration sowie der Film- und TV-Grafik an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag. Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe augen:falter. Seit 2007 Dozentin im studio des Lindenau- Museums Altenburg. Lebt und arbeitet in Leipzig.
www.julia-penndorf.de

Karin Pietschmann, geboren 1966 in Arnstadt. Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Rolf Kuhrt. Meisterschülerinnenstudium ebenda bei Ulrich Hachulla. Seit 2022 Dozentin im studio des Lindenau-Museums Altenburg. Lebt und arbeitet in Leipzig und Garbisdorf. 
www.karinpietschmann.de

Alexandra Preusser

, geboren 1986 in Moskau. Studium der Psychologie an der Universität Hamburg und der International Psychoanalytic University Berlin. Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste Berlin bei Heike Gallmeier. Seit 2019 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Christoph Rückhäberle, Henriette Grahnert und Franziska Holstein. Mitbegründerin des Kunstprojekts ConnArt Altenburg, seit 2023 Vorsitzende des Vereins ConnArt Altenburg e.V. Lebt und arbeitet in Meuselwitz.
www.alexandrapreusser.de
 

30 Jahre Städtepartnerschaft – 30 Jahre kultureller Austausch

Seit 1993 verbindet Olten und Altenburg eine Städtepartnerschaft. Ziel dieser Verbindung ist nicht nur die Förderung von Beziehungen in wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten, sondern auch in Belangen der Kultur. Bereits ein Jahr nach dem Zusammenschluss beider Städte besuchte eine Oltner Delegation die Ausstellung "Altenburger Wintergarten" im Lindenau-Museum Altenburg. Wiederum unter dem Titel "Altenburger Sommergarten" wurde 1995 eine Ausstellung in Olten mit Künstlern aus Altenburg realisiert. Damit war das Fundament für viele weitere Kunstprojekte zwischen beiden Städten gelegt – zuletzt mit dem Ausstellungsprojekt "landüber" im Kunstverein Olten. Mit der Ausstellung "Oltenburg" findet die Partnerschaft beider Kunststandorte ihren vorläufigen Höhepunkt. Museumsdirektor Dr. Roland Krischke dazu: „Wir freuen uns, mit den Mitteln der Kunst die Bande zwischen den Städten Olten und Altenburg zu stärken und damit zur Verständigung zwischen zwei Staaten beizutragen. Gerade in einer Zeit voller Krisen und kriegerischer Erschütterungen ist der gegenseitige Austausch – gerade auf künstlerischen Ebenen – ein hohes Gut, das es sich zu fördern lohnt.“ 
 

Programm zur Ausstellung
 

Samstag, 20. April 2024, 18 Uhr
Ausstellungseröffnung
im Bachsaal des Residenzschlosses Altenburg
 

Freitag, 3. Mai 2024, 16 bis 20 Uhr
Workshop-Abend: Die Sache ist geritzt! – Einführung in die Ätzradierung

Treffpunkt: Kasse im Prinzenpalais
Teilnahme: 24 EUR / 16 EUR, 
mit Anmeldung unter 03447 8955-451/-430 oder unter studio@lindenau-museum.de
 

Sonntag, 5. Mai 2024, 14 Uhr
Sonntagsführung: Oltenburg – Zeitgenössische Kunst aus Olten und Altenburg
mit Miriam Stadie, Kuratorin der Ausstellung
Treffpunkt: Kasse im Prinzenpalais
 

Sonntag, 19. Mai 2024, ab 15.30 Uhr
Offene Familienwerkstatt zum Internationalen Museumstag: Blaudruck als altes fotografisches Verfahren
Treffpunkt: Kasse im Prinzenpalais
Der Eintritt in die Ausstellung ist an diesem Tag frei
 

Plakat zur Ausstellung, Titelbild: Nora Frohmann, color in the sky (Installationsansicht, Detail), 2021/24 (Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2024)

Angebote für Schulklassen
 

Künstlerische Techniken kennenlernen
120 Min.
Nach einem Rundgang durch die Ausstellung könnt ihr eine künstlerische Technik selbst ausprobieren.
Zur Auswahl stehen: Cyanotypie (Blaudruck), Radierung und Holzschnitt.
 

Auf Nachfrage: Führungen mit den Kunstvermittlerinnen des Lindenau-Museums Altenburg

Anmeldungen unter: 03447 8955-451/-430 oder studio@lindenau-museum.de
 

Katalog zur Ausstellung


Zur Ausstellung „Oltenburg – Zeitgenössische Kunst aus Olten und Altenburg“ erscheint ein Katalog, der von Dr. Roland Krischke, Direktor der Altenburger Museen, für das Lindenau-Museum Altenburg herausgegeben wurde. Der reich bebilderte Band enthält Textbeiträge von Eleonora Mariotta, Miriam Stadie und Marina Stawicki Stalder.

Infos zum Katalog: 92 Seiten, Texte in deutscher Sprache, der Verkaufspreis beträgt 15 EUR
ISBN: 978-3-86104-080-4
 

Allgemeine Informationen zur Ausstellung
 

21. April bis 19. Mai 2024
Oltenburg – Zeitgenössische Kunst aus Olten und Altenburg
Sonderausstellung des Lindenau-Museums Altenburg im Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, an Feiertagen
11 bis 17 Uhr

Eintritt: 
4 EUR / 3 EUR (ermäßigt)
Kombiticket Lindenau-Museum & Residenzschloss: 9 EUR

Der Zugang zu den Ausstellungsräumen im Prinzenpalais ist nicht barrierefrei.

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Rainer Kirmse , 20.04.2024
🇨🇭OLTENBURG 🇩🇪

EINE STÄDTEPARTNERSCHAFT

Eine Mauer hat uns getrennt,
kalter Krieg war omnipräsent.
Für die Leute in Ost und West
ein permanenter Härtetest.
Nach friedlich erkämpfter Freiheit
und der lang ersehnten Einheit,
wurden nun die Weichen gestellt
zu den Orten der weiten Welt.

Altenburg an Thüringens Rand,
Olten im Schweizer Alpenland;
einst Städte in zwei Systemen,
konnten alle Hürden nehmen,
haben Grenzen überwunden
und zueinander gefunden.
Dreißig Jahre ist das nun her,
nichts kann sie heute trennen mehr.

Rainer Kirmse , Altenburg

Mit freundlichen Grüßen
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