Auf Grundlage eingehender wissenschaftlicher Untersuchungen gibt das Lindenau-Museum Altenburg zwei Porträtgemälde an seine rechtmäßigen Besitzer, die Familie von Seckendorff, zurück. Bei den Werken handelt es sich um eine Kopie nach Antoine Pesne mit dem Porträt von Karl Alexander von Lothringen und ein Porträt des Grafen Floris van Kuilenburg aus der Werkstatt von Michiel Janszoon van Mierevelt. Beide Gemälde gelangten im Zuge der Bodenreform zu Zeiten der Sowjetischen Besatzungszone in den Umlauf uns schließlich in den Museumsbestand.
Die aktuellen Provenienzrecherchen am Lindenau-Museum zeigen, welch zentrale Bedeutung die systematische Erforschung von Herkunft von Kunstwerken für Museen und Öffentlichkeit hat, nicht nur im Kontext der NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kunst- und Kulturgüter oder kolonialer Raubkunst, sondern auch in Bezug auf Enteignungen während der sowjetischen Besatzung und in der DDR-Zeit.
Im Fokus der nun erfolgten Untersuchungen standen unter anderem zwei Werke aus der sogenannten Julius-Brauer-Stiftung. Der Altenburger Kunsthändler Julius Brauer (1892–1969) übereignete Anfang der 1960er-Jahre seine umfangreiche Kunstsammlung dem Lindenau-Museum. Die nun durchgeführten Provenienzrecherchen ergaben, dass sich unter diesen Objekten zwei Kunstwerke befinden, die ursprünglich aus dem Besitz der Familie von Seckendorff stammen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden diese Werke aus dem Schloss Meuselwitz ausgelagert und gelangten nach Kriegsende im Zuge der Bodenreform in Umlauf.
Dabei ist hervorzuheben, dass durch die wissenschaftliche Aufarbeitung die ursprünglichen Eigentumsverhältnisse einer Kopie nach Antoine Pesne mit dem Porträt von Karl Alexander von Lothringen und eines Porträts des niederländischen Grafen Floris van Kuilenburg aus der Werkstatt von Michiel Janszoon van Mierevelt rekonstruiert werden konnten. Am 23. April 2026 erfolgte die offizielle Restitution dieser zwei Porträts an die Familie von Seckendorff. Diese Rückgaben wurden möglich, nachdem die rechtlichen Ansprüche im Rahmen des Ausgleichsleistungsgesetzes anerkannt worden waren.
Die Forschungen wurden im Rahmen des vom Beauftragten der Bunderegierung für Kultur und Medien geförderten Projekts Lindenau21PLUS durchgeführt. Sie zeigen beispielhaft, wie wichtig nachhaltige Unterstützung für die Provenienzforschung ist. Ohne diese Förderung wäre die Aufklärung der komplexen Besitzverhältnisse nicht möglich gewesen.
Die Altenburger Museen zählen zu den wenigen Museen in Deutschland, die ihre Bestände systematisch auch im Hinblick auf SBZ- und DDR-Unrechtskontexte untersuchen. Damit übernehmen die Museen eine Vorreiterrolle und setzen ein deutliches Zeichen für Transparenz, wissenschaftliche Sorgfalt und gesellschaftliche Verantwortung.
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