Schmölln — Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau‑Dora und das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus haben gemeinsam mit der Agentur FUNKHAUS ost das audionarrative Geschichtsprojekt „Widerstand. Hörgeschichten aus Thüringen 1939–1945“ realisiert. Ab dem 8. Mai 2026 wird das Projekt landesweit öffentlich zugänglich sein.
Ziel des Projekts ist es, die Zeit des Nationalsozialismus in Thüringen zeitgemäß, niedrigschwellig und differenziert zu vermitteln. Im Mittelpunkt stehen zwölf Hörgeschichten aus unterschiedlichen Orten; eine davon dokumentiert eine Begebenheit aus Schmölln. Die Erzählungen thematisieren widerständiges Handeln, Solidarität und Mitmenschlichkeit sowie die Beziehungen zwischen der deutschen Mehrheitsgesellschaft und Zwangsarbeiter:innen, Kriegsgefangenen und KZ‑Häftlingen.
Die Schmöllner Episode schildert, wie drei deutsche Frauen drei polnische Zwangsarbeiter mit Lebensmitteln versorgten — ein menschlicher Akt, der als Verstoß gegen das NS‑Regime geahndet wurde. Alle Beteiligten wurden festgenommen; die drei polnischen Männer wurden später erschossen, die Frauen öffentlich gedemütigt und in ein Konzentrationslager gebracht. Auf dem Schmöllner Marktplatz erinnert heute eine Plakette an die drei Frauen; die Hinrichtung der polnischen Zwangsarbeiter ist darauf nicht erwähnt.
Ab dem 8. Mai 2026 sind die Hörgeschichten per QR‑Code direkt vor Ort via Smartphone abrufbar; außerdem werden sie im Rahmen von Installationen in Weimar und Nordhausen präsentiert. Auf der Projekt‑Website sind alle zwölf Geschichten gemeinsam verfügbar. Das Projekt lädt dazu ein, lokalgeschichtliche Erinnerung neu zu hören und sich mit Formen des Alltagswiderstands auseinanderzusetzen.
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