Ein Link per E-Mail, wenige Klicks – und schon ist der Vertrag unterschrieben. Dabei hat noch niemand den Heizungskeller gesehen oder das Dach geprüft. Von solchen Geschäftspraktiken bundesweit tätiger Anbieter berichten Hausbesitzer:innen der Verbraucherzentrale Thüringen. Diese warnt warnt vor hohen Anzahlungen, lückenhaften Angeboten und teuren Nachforderungen.
Erst unterschreiben, dann die technischen Voraussetzungen prüfen lassen? Wer sich darauf einlässt, riskiert hohe Zusatzkosten. Denn oft steht bei Vertragsabschluss noch gar nicht fest, welche Arbeiten nötig sind und was sie kosten.
„Ob eine Wärmepumpe im Altbau wirtschaftlich arbeitet, ob das Dach für eine Solaranlage geeignet ist oder ob der Zählerschrank erneuert werden muss – das alles lässt sich nur bei einer Vor-Ort-Begehung klären“, sagt Frank Weber, Energieberater im Auftrag der Verbraucherzentrale Thüringen. Er warnt: „Ein Vertrag ohne Begehung ist ein Blankoscheck zu Lasten der Eigentümer:innen.“
Besonders tückisch sind vermeintliche Komplettangebote, bei denen wichtige Arbeiten im Preis fehlen. Bei Photovoltaikanlagen können etwa Kosten für das Gerüst, einen neuen Zählerschrank oder zusätzliche Elektroarbeiten hinzukommen. Beim Einbau einer Wärmepumpe können neue Heizkörper, Leitungen oder Umbauten am Aufstellort nötig werden.
Auch bei hohen Anzahlungen ist Vorsicht geboten. Manche Anbieter verlangen bereits vor der Lieferung oder Montage erhebliche Summen. Gerät das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten oder geht insolvent, ist das Geld womöglich verloren.
„Wir erleben Fälle, in denen 15.000 Euro angezahlt wurden und seit Monaten kein Material kommt – oder in denen Nachforderungen von mehreren Tausend Euro für angeblich nicht enthaltene Leistungen gestellt werden“, berichtet Frank Weber.
Die Verbraucherzentrale rät deshalb, möglichst erst dann zu zahlen, wenn Material geliefert ist oder Arbeiten erledigt sind. Wer schon bei Vertragsabschluss hohe Summen überweisen soll, sollte die Zahlungsbedingungen prüfen lassen.
Bevor Hauseigentümer:innen einen Vertrag unterschreiben, sollten sie auf einem Vor-Ort-Termin bestehen. Dabei muss der Anbieter alle Gebäudeteile und Anlagen prüfen, die für den Einbau wichtig sind.
Ebenso wichtig ist ein vollständiges, verständliches Angebot. Sind Gerüst, Elektroarbeiten, Fundament und Netzanschluss im Preis enthalten? Welche weiteren Arbeiten sind nötig? Das alles sollte schriftlich festgehalten werden.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, mehrere Angebote einzuholen und genau zu vergleichen. Entscheidend ist nicht allein der Endpreis. Auch Leistungsumfang und Zahlungsbedingungen zählen. Ein Fachbetrieb aus der Region kann Vorteile bieten: persönliche Ansprechpartner, kurze Wege und schnelle Hilfe bei Störungen oder Wartungsarbeiten.
Wer bereits unterschrieben hat, sollte prüfen, ob er den Vertrag noch widerrufen kann. Bei Verträgen, die online, telefonisch oder außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen wurden, gilt grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht.
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale hilft, technische Fragen zu klären. Sie bietet außerdem einen kostenlosen Vergleich von bis zu drei Wärmepumpen-Angeboten an. Ein Termin für ein individuelles Beratungsgespräch kann unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 809 802 400 vereinbart werden.
Bei Fragen zu Verträgen, Rechnungen, Gewährleistung und Garantie hilft die Energierechtsberatung der Verbraucherzentrale Thüringen. Termine gibt es unter vzth.de/termin-buchen oder telefonisch unter 0361 555140.
Vom 6. bis 8. November ist die Verbraucherzentrale bei der Haus.Bau.Ambiente auf der Erfurter Messe zu finden (Halle 2, Stand 204).
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Dank einer Kooperation mit dem Thüringer Umweltministerium und der Thüringer Landesenergieagentur ThEGA ist die Beratung in Thüringen kostenfrei.
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