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Studie: Wirtschaftswachstum nur durch schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien und Dekarbonisierung der Betriebe | Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft

Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (Foto: Ronny Franke)

Studie: Wirtschaftswachstum nur durch schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien und Dekarbonisierung der Betriebe

Arbeit & Wirtschaft
16.05.2023, 11:45 Uhr
Von: THÜRINGER MINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT, WISSENSCHAFT UND DIGITALE GESELLSCHAFT
Tiefensee stellt Analyse zu Wertschöpfungspotentialen durch Dekarbonisierung der Wirtschaft vor / Zusätzliche Förderanreize für energetischen Umbau in den Unternehmen notwendig

Die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien wird neben der Dekarbonisierung der Produktion zunehmend zum Erfolgsfaktor für die Thüringer Unternehmen. Das zeigt die Studie „Wachstumspotentiale der Dekarbonisierung der Thüringer Wirtschaft“ im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Darin werden die Auswirkungen einer Umstellung auf CO2-neutrale Energieversorgung und Produktionsprozesse für die Wirtschaftsentwicklung in Thüringen bis zum Jahr 2035 untersucht. Wichtigstes Resultat: „Wenn es nicht gelingt, die Unternehmen zu dekarbonisieren und gleichzeitig in ausreichendem Umfang Energie aus erneuerbaren Quellen bereitzustellen, wird dies mit einem dramatisch schwächeren Wirtschaftswachstum einhergehen“, sagt Thürin­gens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee. Für die Wirtschaftsentwicklung sei der Ausbau erneuerbarer Energien daher ebenso wichtig wie für den Klimaschutz. „Wollen Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, ist die Umstellung auf klimaneutrale Prozesse ein Muss.“

Hinter dieser Aussage steht eine Analyse verschiedener Entwicklungspfade für die Energiepreise. Gelingt ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien Hand in Hand mit der Dekarbonisierung, könnte das Bruttoinlandprodukt im Jahr 2035 um sechs Prozentpunkte höher liegen als beim derzeitigen (langsameren) Entwicklungspfad. „Die Thüringer Wirtschaft verliert an Wachstumstempo, wenn wir nicht schnell genug die Modernisierung der Betriebe in Handwerk und Industrie voranbringen und zwingend mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien vorankommen“, so Tiefensee. Gegenüber langsameren Ausbauszenarien summiere sich die zusätzliche Wertschöpfung über den Betrachtungszeitraum nach den Berechnungen der Studie auf 23,5 Milliarden Euro – was etwa einem Drittel des aktuellen Bruttoinlandsproduktes Thüringens entspricht. „Mit anderen Worten: Eine zügige Dekarbonisierung unserer Wirtschaft und die flächendeckende Bereitstellung erneuerbarer Energie sorgt für erhebliche Wachstums- und Wohlstandsgewinne in Thüringen – andernfalls fallen wir dramatisch zurück.“

Allerdings seien in vielen Bereichen erhebliche Anstrengungen notwendig, damit der Transformationsprozess der Wirtschaft hin zur Treibhausgasneutralität gelinge, so der Minister weiter. Viele Unternehmen stünden vor enormen finanziellen und organisatorischen Herausforderungen. Derzeit stammten noch rund 70 Prozent der von den Thüringer Industriebetrieben genutzten Energie aus fossilen Quellen. Zudem liegen die energieintensiven Branchen in Thüringen mit einem Anteil von fünf Prozent an der Bruttowertschöpfung über dem Bundesschnitt (4,3 Prozent) und dem Durchschnitt ostdeutscher Flächenländer (4,1 Prozent). Energieintensive Industriezweige mit starker Ausprägung in Thüringen sind z.B. die Glas- und Kunststoffindustrie, die Papierherstellung und die Herstellung von Metallerzeugnissen. Wichtige Branchen mit Umstellungsbedarf sind darüber hinaus die Optik und der Maschinen- und Fahrzeugbau.

Die Kosten des energetischen Umbaus für die Betriebe seien enorm, sagte der Minister weiter. Nach Schätzung der KfW könnten sich die klimaschutzbedingten Mehrinvestitionen der deutschen Industrie bis 2045 auf gut 460 Milliarden Euro belaufen. Für Thüringer Industrieunternehmen lässt sich daraus eine Größenordnung von rund neun Milliarden Euro ableiten – das entspricht im genannten Zeitraum etwa 380 Millionen Euro pro Jahr. Zu den hohen Investitionskosten kämen in vielen Fällen deutlich erhöhte Betriebskosten beim Einsatz klimafreundlicher Technologien hinzu. Der Minister forderte den Bund auf, entsprechende Förderanreize zur Bewältigung dieser Kosten zu schaffen. Von solchen Anreizen müsse insbesondere auch der Mittelstand profitieren können, der wie Großunternehmen ebenfalls überwiegend im internationalen Wettbewerb stehe. Auch Thüringen selbst müsse den steigenden Bedarf an Unterstützung für betriebliche Investitionen in die Dekarbonisierung in seinen künftigen Haushaltsplanungen berücksichtigen.

Daneben listet die Studie weitere Handlungsempfehlungen auf: So sollten etwa vorhandene Standorte (Dächer, versiegelte Flächen, öffentliche Infrastrukturen, etc.) besser zur Installation von regenerativen Energieanlagen genutzt, der Windkraftausbau beschleunigt, die Möglichkeiten zur Eigenstromerzeugung erweitert, Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzt, der Ausbau der Wasserstoffforschung und ‑infrastruktur vorangetrieben und Thüringens Potentiale bei grünen Technologien gestärkt werden, um Absatzchancen auf Zukunftsmärkten zu nutzen. Ein weiterer Punkt ist die Vernetzung aller für die Energietransformation relevanten Akteure.

Diese Empfehlungen der Gutachter korrespondierten in vielen Punkten mit bereits laufenden Vorhaben der Landesregierung, betonte Tiefensee. So baut Thüringen seine Kompetenzen im Bereich der Batterie- und Wasserstofftechnologien von der Forschung bis zur Produktion seit Jahren systematisch aus, hat im vergangenen Jahr die „Thüringer Allianz für Wasserstoff in der Industrie“ (ThAWI) und zu Beginn dieses Jahres eine Kompetenzstelle „Dekarbonisierung der Wirtschaft“ bei der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) eingerichtet, ist an der von Bund und Land mit 7,7 Millionen Euro geförderten Wasserstoff-Initiative H2-Well beteiligt und baut im Rahmen seiner Wasserstoffstrategie weitere Forschungs- und Transferkompetenzen am Erfurter Kreuz und im Raum Sonneberg auf.

Bei Förderprogrammen wie der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) sei eine verstärkte Ausrichtung auf Umwelt- und Klimaschutzinvestitionen bereits vorgesehen. Als Antwort auf die durch den Ukrainekrieg ausgelöste Energiekrise hat das Land zudem ein rund 230 Millionen Euro umfassendes Hilfs- und Investitionspaket für die Thüringer Wirtschaft aufgelegt, das neben direkten Zuschüssen und Darlehen an Unternehmen zur Bewältigung der Krisenfolgen (Säule 1) auch umfangreiche Förderangebote zur Ermög­lichung von Zukunftsinvestitionen im Energiebereich, wie bspw. den Dekarbonisierungsbonus, enthält (Säule 2). Tiefensee verwies hier erneut auf seine Forderung, Mittel aus der ersten in die zweite Säule umzuschichten, weil diese dort absehbar dringender benötigt würden. In seiner Sitzung Ende April hatte der Landtag beschlossen, durch Umstrukturierung im Sondervermögen 50 Millionen Euro zusätzlich für die Transformation von Produktionsprozessen hin zu mehr Klimaneutralität bereitzustellen. Ebenfalls auf Initiative des Wirtschaftsministeriums wurde eine Aufstockung des Eigenkapitals der Thüringer Aufbaubank um 50 Millionen Euro auf den Weg gebracht, mit der ein zusätzliches Kreditvolumen für Transformationsinvestitionen ermöglicht werden soll.

Natürlich müssten auch Fragen der Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie künftig wieder eine stärkere Rolle spielen, so der Wirtschaftsminister: „Energie- und Wirtschaftspolitik müssen stärker zusammen gedacht werden.“ Das gelte auch mit Blick auf die Energieversorgung der Industrie- und Gewerbestandorte in Thüringen, die in Zukunft klimaneutral gestaltet werden sollten: „Dekarbonisierung wird hier immer mehr zu einem Standortfaktor. Eine wachsende Zahl von Unternehmen setzt auf CO2-neutrale Prozesse und investiert deshalb in Zukunft dort, wo es regenerative Energiequellen mit hoher Versorgungssicherheit und zu bezahlbaren Preisen gibt.“
 

Hintergrund:

Thüringen ist ein Industrieland, die Industrie trägt mit knapp 25 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung im Freistaat bei. 412 der insgesamt fast 1.700 Industriebetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten sind energieintensive Betriebe. Mit fast 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Umsatz von 7,8 Milliarden Euro stehen diese Unternehmen für knapp ein Viertel der Beschäftigtenzahl und des Gesamtumsatzes des Verarbeitenden Gewerbes. Aktuell werden etwa 70 Prozent des Energiebedarfs der Thüringer Industrie aus fossilen Quellen gedeckt.

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