Altenburger Land — Viele Menschen kennen Long‑/Post‑Covid, doch das Ausmaß der Einschränkungen ist für Außenstehende kaum vorstellbar: Bei Betroffenen von Post‑Covid bzw. ME/CFS fehlen oft die Energiereserven für Körperpflege, Haushalt, Beruf oder soziale Kontakte. Typische Beschwerden sind chronische Erschöpfung, Muskelschwäche, Kreislauf‑ und Konzentrationsstörungen, Wortfindungsprobleme sowie Organbeteiligungen; zudem treten starke Licht‑ und Geräuschempfindlichkeiten auf. Schon kleine Überlastungen können zu langanhaltenden Verschlechterungen führen.
Die Forschung geht heute von organischen Ursachen aus — zum Beispiel anhaltenden Entzündungen, Störungen des Energiestoffwechsels oder Autoimmunreaktionen — doch Heilung oder wirksame Medikamente fehlen bislang. Rehabilitationsangebote sind begrenzt und können Betroffene überfordern. Viele Erkrankte stoßen zudem auf Unverständnis im medizinischen und gesellschaftlichen Umfeld, weil ME/CFS noch zu wenig bekannt ist.
Seit März 2023 gibt es im Altenburger Land eine Selbsthilfegruppe Post‑Covid mit über 20 Mitgliedern. Die Gruppe trifft sich etwa alle 6–8 Wochen in Altenburg; wegen der großen Belastung der Erkrankten findet zusätzlich Austausch per WhatsApp statt. Die Gruppe unterstützt bei Fragen zu Behörden, teilt Forschungsergebnisse und bietet gegenseitige Hilfe. Einige Betroffene leiden seit 2020, beziehen EU‑Rente oder kämpfen um einen anerkannten Grad der Behinderung; nur wenige sind noch voll arbeitsfähig. Die Dunkelziffer Erkrankter ohne formelle Diagnose dürfte deutlich höher liegen.
Zum ME/CFS‑Tag am 12. Mai 2026 beteiligten sich im Altenburger Land Stadt und lokale Institutionen an der Aktion #LightUpTheNight4ME: die Fontäne Großer Teich, das Rathaus Altenburg, die LED‑Wand Goldener Pflug, die Farbküche Altenburg, die Stadtkirche St. Nikolai Schmölln und FreiRaum 22 Schmölln leuchteten symbolisch in Blau. Die Selbsthilfegruppe bedankt sich für die Unterstützung von Stadt und Oberbürgermeister André Neumann.
Die Gruppe sucht weitere kommunale und private Unterstützer für die Aktion im kommenden Jahr — denkbar wäre das blaue Beleuchten von Gebäuden, Arztpraxen oder Geschäften. Betroffene und Interessierte sind jederzeit willkommen: Kontakt über die Kontaktstelle des Landratsamtes unter 03447 / 586 812 oder per E‑Mail an selbsthilfe-covid-abg@gmx.de.
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