Die Fraktion pro Altenburg begrüßt, dass die Stadtverwaltung nach der öffentlichen Kritik der Gastronomen am Pauritzer Platz nun reagiert und zur Unterstützung der betroffenen Betriebe aufruft. Für den Fraktionsvorsitzenden Peter Müller reicht ein solcher Appell jedoch bei Weitem nicht aus.
„Es ist gut, wenn das Rathaus die Sorgen der Gastronomen jetzt ernst nimmt. Aber die Probleme der Altenburger Gewerbetreibenden beginnen nicht am Pauritzer Platz. Seit Jahren erleben wir bei großen Straßenbaumaßnahmen, dass die wirtschaftlichen Folgen für die unmittelbar betroffenen Unternehmen offenbar nicht ausreichend mitgedacht werden. Im Bereich der Eisenbahnbrücke sind die Fleischerei Günther und der Getränkemarkt Patzelt bis heute nur erschwert erreichbar. Der Bäcker Herziger in Knau hat inzwischen sogar aufgegeben. Das sind konkrete wirtschaftliche Folgen, über die wir genauso sprechen müssen“, erklärt Müller.
Besonders deutlich habe sich dies bei den langwierigen Baumaßnahmen im Bereich der Eisenbahnbrücke und der angrenzenden Straßen gezeigt. Die Belastungen für die dortigen Gewerbetreibenden dauerten teilweise bereits seit Jahren an.
„Wer heute öffentlich dazu aufruft, drei von einer Baustelle betroffene Gastronomiebetriebe zu unterstützen, muss sich die Frage gefallen lassen, warum die Sorgen anderer Unternehmer über Jahre wesentlich weniger Aufmerksamkeit erfahren haben“, so Müller.
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dirk Schwerd verweist darauf, dass die aktuellen Probleme keineswegs auf den Pauritzer Platz beschränkt sind:
„Wir reden beispielsweise über ATA Autoteile in der Feldstraße sowie über den Pizza Express und das Zentraltheater in der Rosa-Luxemburg-Straße. Diese Unternehmen sind darauf angewiesen, dass Kunden sie vernünftig erreichen und vor allem Waren angeliefert werden können. Ich erwarte, dass sich der Oberbürgermeister persönlich bei diesen Unternehmen vorstellt, sich ihre Sorgen anhört und sich vor Ort anschaut, wie die Warenanlieferung unter den gegenwärtigen Verkehrsbedingungen überhaupt funktionieren soll. Wer Unternehmer unterstützen will, muss sich die tatsächlichen Probleme vor der Ladentür ansehen und darf sich nicht auf einen allgemeinen Appell beschränken“, erklärt Schwerd.
Hinzu komme, dass sich nach dem Umbau von Gabelentzstraße und Rosa-Luxemburg-Straße Probleme zeigten, die aus Sicht von pro Altenburg bereits bei der Planung hätten erkannt werden müssen. Die Gestaltung der Fahrbahn, die Radverkehrsführung und fehlende beziehungsweise unzureichende Haltemöglichkeiten erschwerten insbesondere die Warenanlieferung.
Schwerd kritisiert dabei vor allem die praktische Situation für den Lieferverkehr:
„Ein Geschäft muss beliefert werden können. Wenn ein Lieferfahrzeug mangels geeigneter Ladefläche auf der Fahrbahn halten muss und anschließend praktisch kein anderes Fahrzeug mehr vorbeikommt, dann funktioniert die Straße im Alltag nicht. Verkehrsplanung muss Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr berücksichtigen – aber genauso Anwohner, Kunden, Gewerbetreibende und Lieferverkehr. Wenn solche Probleme erst nach einem millionenschweren Umbau sichtbar werden, ist die Planung nicht zu Ende gedacht.“
Ähnliche Schwierigkeiten seien bereits bei den neu angelegten Parkplätzen gegenüber dem Museum und den dortigen engen Kurvenbereichen für den Busverkehr sichtbar geworden.
Für pro Altenburg dränge sich deshalb zunehmend die Frage auf, ob die Erfahrungen der unmittelbar betroffenen Gewerbetreibenden und Anwohner ausreichend in die Planungen einfließen und solche praktischen Fragen auch im Stadtrat frühzeitig genug diskutiert werden.
„Es kann nicht sein, dass wir Millionen in Straßen und Plätze investieren und anschließend diejenigen, die dort jeden Tag arbeiten, feststellen müssen: So funktioniert es nicht. Die Menschen vor Ort müssen vor einer endgültigen Planung gefragt werden – nicht erst hinterher, wenn der Beton liegt“, betont Müller.
Der jetzige Appell des Rathauses zur Unterstützung der Gastronomie sei deshalb zwar richtig, dürfe aber kein öffentlichkeitswirksames „Mäntelchen“ über ein grundsätzliches Problem legen.
pro Altenburg fordert den Oberbürgermeister deshalb auf, sich persönlich mit den betroffenen Gewerbetreibenden entlang der Pauritzer Straße, Feldstraße, Gabelstraße und Rosa-Luxemburg-Straße sowie im Umfeld der langjährigen Baustellen zusammenzusetzen und sich die Situation vor Ort anzusehen.
Dabei müsse nicht nur zugehört, sondern anschließend auch gehandelt werden. Zu prüfen seien insbesondere zusätzliche Lade- und Kurzzeithaltezonen, eine bessere Ausschilderung der erreichbaren Geschäfte sowie weitere kurzfristig umsetzbare Maßnahmen.
„Wir erwarten, dass der Oberbürgermeister nach der Sommerpause nicht nur die aktuelle Diskussion am Pauritzer Platz aufgreift, sondern persönlich auch zu den anderen betroffenen Unternehmen geht. Er sollte sich dort die Probleme schildern lassen, die Liefer- und Verkehrssituation selbst in Augenschein nehmen und gemeinsam mit den Betroffenen nach konkreten Lösungen suchen. Unternehmerfreundlichkeit zeigt sich nicht in Presseerklärungen, sondern vor der Ladentür“, erklären Müller und Schwerd abschließend.
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