Nach den großen Ferien nutzen viele Schülerinnen und Schüler das Fahrrad, um zur Schule zu kommen. Für viele ist die Fahrt Teil des Alltags – für andere ist es ein erster Schritt in den verantwortungsvolleren Straßenverkehr. Dabei zeigt jedoch die Unfallstatistik: Der Schulweg mit dem Rad ist keineswegs frei von Risiken.
In Thüringen war 2025 beinahe jedes zweite Kind, das auf dem Schulweg verunglückte, mit dem Fahrrad unterwegs. Unfallexperte Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen rät deshalb: Kinder sollten erst dann den Schulweg mit dem Fahrrad in Angriff nehmen, wenn sie ihr Rad sicher beherrschen und die Verkehrsregeln wirklich zuverlässig anwenden können. Grundlage dafür ist ein verkehrssicheres Fahrrad – und zum Schutz ein geeigneter Fahrradhelm.
Gerade junge und unerfahrene Verkehrsteilnehmer haben es im Straßenverkehr schwer. Unübersichtliche Kreuzungen, fehlende Radwege oder unaufmerksame Autofahrer können den Schulweg schnell zur Herausforderung machen. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder nur dann allein mit dem Rad fahren lassen, wenn sie sowohl sicher unterwegs sind als auch der Weg zuvor gemeinsam geübt wurde.
Zur sicheren Grundausstattung gehören neben einem verkehrssicheren Fahrrad vor allem der Helm sowie gute Sichtbarkeit. Reflektierende Kleidung kann dabei helfen, dass Kinder von anderen Verkehrsteilnehmern frühzeitig erkannt werden.
Marcel Schauffler erklärt: „Jedes Jahr kommt es zu Unfällen mit Schulkindern, von denen die meisten relativ leicht vermeidbar wären. Oftmals ist die Sichtbarkeit der Kinder ein Problem, denn häufig werden sie von anderen Verkehrsteilnehmern zu spät wahrgenommen oder schlichtweg übersehen. Eine Warnweste kann dabei helfen, solche Unfälle zu vermeiden.“
Ein weiterer häufiger Auslöser liegt darin, dass Kinder das Verkehrsgeschehen – zu Fuß und auf dem Rad – nicht immer korrekt einschätzen. Gefahrensituationen werden teils zu spät erkannt oder falsch bewertet. Genau deshalb sollten Eltern Verkehrssicherheit nicht nur „voraussetzen“, sondern aktiv fördern.
Auch wenn der Schulweg mit dem Fahrrad oft schneller ist als zu Fuß: Schulkinder sollten erst nach einer Radfahrausbildung allein fahren. In der Regel ist das ab der dritten oder vierten Klasse der Fall. Schauffler betont dabei einen wichtigen Unterschied: Eine ruhige Übungsfahrt am Wochenende ersetzt nicht den Schulalltag mit Berufsverkehr. „Viele Eltern glauben, dass ihr Kind sicher mit dem Fahrrad umgehen kann. Ein gemeinsamer Radausflug in ruhiger Umgebung am Wochenende ist aber nicht mit dem täglichen Berufsverkehr vergleichbar. Hier lauern ganz andere Gefahren und das Kind ist auf sich allein gestellt.“
Hinzu kommt, dass Kinder motorisch oft noch nicht in jeder Situation richtig auf Überraschungen reagieren können – etwa bei plötzlichen Abbiegevorgängen, unerwarteten Bremsmanövern oder wechselnden Verkehrsströmen.
Für viele jüngere Schulkinder sind unübersichtliche Verkehrssituationen besonders schwierig. Dazu zählen zum Beispiel:
Auch das Einschätzen von Abständen und Geschwindigkeiten fällt Kindern häufig schwerer als Erwachsenen. Deshalb sollten Eltern den Schulweg bewusst auswählen und die Strecke mit dem Kind gründlich trainieren – und nicht erst „wenn es nötig wird“.
Viele Gefahren lassen sich bereits reduzieren, indem Eltern einen möglichst sicheren Weg wählen und dabei kritisch auf Kreuzungen, Sichtverhältnisse und Einmündungen achten. Schauffler weist zudem darauf hin, dass ab 10 Jahren grundsätzlich die Regeln für Fahrradfahrer gelten – also Nutzung von Fahrbahn oder Radweg. Allerdings seien längst nicht alle Schulwege vollständig über Radwege machbar. Und selbst ein als sicher geltender Radweg könne Risiken bergen, etwa durch abbiegende Fahrzeuge an schlecht einsehbaren Ein- und Ausfahrten.
Ein Helm sollte beim Radfahren selbstverständlich sein – nicht nur auf dem Schulweg. Er kann im Ernstfall schwere Kopfverletzungen verhindern. Darüber hinaus muss das Fahrrad für den Straßenverkehr geeignet sein. Dazu gehören eine funktionsfähige Vorder- und Hinterradbremse sowie eine Klingel.
Für die Sichtbarkeit nennt Schauffler die zentralen Vorgaben:
Zusätzlich kann eine Warnweste dabei helfen, die Sichtbarkeit im Alltag zu verbessern – insbesondere in Momenten, in denen andere Verkehrsteilnehmer das Kind nicht rechtzeitig wahrnehmen.
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