Der Landkreis Altenburger Land zeichnet in diesem Jahr den Architekten Jan Godts und die Professorin Louise Walleneit mit seinen Denkmalpreisen aus. Beide werden für ihr herausragendes bürgerschaftliches Engagement in der Denkmalpflege geehrt.
Landrat Uwe Melzer überreicht die Auszeichnungen am Freitag, 11. September 2026, beim Eröffnungskonzert des Denkmaltages in der Altenburger Brüderkirche. Die Denkmalpreise werden vom Landkreis seit vielen Jahren traditionell anlässlich des Denkmaltages vergeben.
Jan Godts erhält die Auszeichnung für die Erhaltung und Sanierung des denkmalgeschützten Anwesens Mühle Schelchwitz. Louise Walleneit wird für die Entwicklung des Kunsthofs Niederarnsdorf geehrt.
Die Geschichte der Schelchwitzer Mühle reicht bis ins Jahr 1307 zurück. Damals wurde sie erstmals als Mühle des Marien-Magdalenen-Klosters erwähnt. 1704 gelangte sie in den Besitz der Herzoglichen Kammer und wurde dem Magdalenstift übertragen. Nach mehreren Bränden im 18. und 19. Jahrhundert ließ der damalige Mühlenbesitzer Burkhard die Anlage 1880 nach modernen Gesichtspunkten neu errichten.
Als Jan Godts die Mühle im Jahr 2002 übernahm, befand sich das gesamte Anwesen in einem äußerst schlechten Zustand. Die Gebäude waren vom Verfall bedroht, der ausgetrocknete und zugewachsene Mühlgraben diente als illegale Müllablagerung. Brücken waren baufällig, das Übergangsbauwerk zwischen der Mühle Münsa und der Mühle Schelchwitz nicht funktionsfähig. Auch das Turbinenhaus war zerstört. Vom historischen Garten zeugten lediglich sieben beschädigte Porphyrsäulen.
In den vergangenen 24 Jahren hat Godts das Anwesen Schritt für Schritt saniert und wiederbelebt. Zwei Kilometer Mühlgraben wurden freigelegt und die Ufer befestigt. Rund 5700 Kubikmeter Schutt ließ er beseitigen. Zwei Brückenbauwerke wurden statisch gesichert und wieder begehbar gemacht, die durchfeuchteten Wände des Mühlengebäudes im Bereich des Mühlgrabens saniert.
Auch die umliegenden Flächen wurden neu gestaltet. Der Mühlgraben erhielt typische Bepflanzungen mit Kopfweiden, Erlen und Eichen. Rund fünf Hektar Wiesenfläche wurden von Müll und Schutt beräumt und mit Obstbäumen ergänzt. Außerdem entstanden ein neues Turbinenhaus mit Turbine sowie ein neues Umfeld für die historischen Gärten. Deren Grundmauern wurden freigelegt und die Porphyrsäulen instandgesetzt.
Das Wohnhaus sanierte Godts unter Bewahrung der historischen Fassaden. Heute ist es wieder bewohnt. Für die Scheune sind nach einer aufwendigen statischen Sicherung eine Wohnnutzung und ein neues Architekturbüro vorgesehen. Das markante Mühlengebäude wurde beräumt und vollständig instandgesetzt. Derzeit beherbergt es weiterhin Godts’ Architekturbüro.
Mit einer dem historischen Vorbild entsprechenden Toranlage wurde der Mühlenhof wieder vervollständigt. Darüber hinaus widmete sich Godts der Erneuerung der Schleuse, der Gestaltung einer neuen, am historischen Erscheinungsbild orientierten Einfriedung sowie der Anlage einer mit Natursteinpflaster befestigten Parkfläche.
Mit großem persönlichem Einsatz, viel Ausdauer und ausgeprägtem denkmalpflegerischem Verantwortungsbewusstsein habe Jan Godts zum Erhalt des gesamten Anwesens beigetragen, würdigt Landrat Uwe Melzer die Leistung des Architekten.
Professorin Louise Walleneit wird für ihr Projekt Kunsthof Niederarnsdorf ausgezeichnet. Seit 2022 entwickelt sie in dem denkmalgeschützten Vierseithof einen Ort für Kunst, Kultur und Begegnung. Der Hof verfügt über zwei Bauerngärten und Streuobstwiesen und liegt mitten im kleinen Straßendorf Niederarnsdorf, das aus acht Gehöften und drei Einfamilienhäusern besteht.
Die Hofstelle geht auf das Jahr 1694 zurück. 1826 wurde der Hof umgebaut und erhielt die typische Architektur eines Altenburger Vierseithofes. Zwischen 2002 und 2022 stand das Anwesen leer und war zunehmend dem Verfall ausgesetzt.
Zahlreiche historische Details geben bis heute Einblick in die frühere Nutzung und das Leben auf dem Bauerngut. Eine Molke-Luke und verschiedene Wandnischen im Keller des Wohnhauses weisen auf eine frühere Nutzung als Käserei hin. Außerdem sind ein geräumiger Brotbackofen unter einer Porphyrtreppe, eine Bohlendecke und eine Kreuzgewölbedecke erhalten. Das markante Torhaus prägt weiterhin das Ortsbild von Niederarnsdorf.
Ziel des Projekts ist es, Kunst, Kultur, Kulinarik, ökologischen Landbau, Bildung, Tourismus, Daseinsvorsorge, Begegnung und Umweltschutz miteinander zu verbinden. Der Kunsthof soll ein lebendiger Ort der Kreativität und Erholung werden – ein Raum für Arbeits- und Erholungsaufenthalte sowie ein attraktives Ausflugsziel im Altenburger Land.
In mehreren Bauabschnitten werden die vier Gebäude des Hofes für neue Nutzungen erschlossen. Im Wohnhaus entstand ein Salon für Begegnungen, Austausch und kleinere Veranstaltungen. Die ehemalige Scheune bietet bereits offene Ateliers für Arbeitsaufenthalte und Formate der kulturellen Bildung. Der frühere Kuhstall wird derzeit barrierefrei zu einem Galerie-Café umgebaut.
Seit vier Jahren setzt Louise Walleneit den Vierseithof mit großem Engagement nach ökologischen und denkmalgerechten Kriterien instand. Dabei geht es ihr nicht nur um den Erhalt eines kulturhistorisch bedeutenden Hofes, sondern auch um eine zeitgemäße Nutzung. Der Kunsthof soll jungen Studierenden fernab der Großstadt Raum geben, ihre Kreativität zu entfalten, und zugleich ein Ort der Begegnung für die Menschen im ländlichen Raum sein.
Mit dem Projekt werde das kulturelle Erbe des Altenburger Landes bewahrt und für heutige Bedürfnisse geöffnet, betont Landrat Uwe Melzer. Zugleich trage der Kunsthof dazu bei, das Altenburger Land über die Region hinaus als Kreativstandort bekannt zu machen.
Kommentare