Das Lindenau-Museum Altenburg zeigt ab September Arbeiten von acht Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern aus Dresden, Halle, Leipzig und Weimar. Eine Jury vergibt im Rahmen der Ausstellung den mit 5.000 Euro dotierten Lindenau-Förderpreis 2026.
Zum dritten Mal verleiht das Lindenau-Museum Altenburg den Lindenau-Förderpreis. Insgesamt acht junge Kunstschaffende wurden von den Kunsthochschulen in Dresden, Halle, Leipzig und Weimar ausgewählt, ihre Arbeiten im Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg zu präsentieren.
Die Ausstellung ist vom 8. September bis zum 1. November 2026 zu sehen. Gezeigt werden unter anderem Malereien, Skulpturen, Rauminstallationen, Performances und Videoarbeiten. Die offizielle Eröffnung findet am Sonntag, 6. September, um 15 Uhr im Festsaal des Residenzschlosses Altenburg statt.
Die Ausstellung vereint acht sehr unterschiedliche künstlerische Positionen. Die Arbeiten beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Fragen ebenso wie mit individuellen, biografischen und historischen Erfahrungen.
Die israelische Künstlerin Ronny Aviram setzt sich in ihren Arbeiten mit biblischen Geschichten, aktuellen Ereignissen, Erinnerung, Verlust und Hoffnung auseinander. In einem Zusammenspiel aus Objekten, Geräuschen und Bewegtbildern schafft sie atmosphärische Räume. Das Salz, das in ihren Arbeiten „Werde ich zu einer Salzsäule“ und „Sabres/Zaun“ als verbindendes Element erscheint, verweist auf jüdische Geschichte. Zugleich thematisieren ihre Collagen mit Feigenkakteen jüdische und palästinensische Kultur. Aviram studierte von 2017 bis 2025 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Der in Berlin lebende Regisseur und Medienkünstler Buba Beboshvili arbeitet an der Schnittstelle von Realität und Unbewusstem. In seiner Videoinstallation „FLUX“ begegnet dem Publikum eine männlich gelesene Figur, die als mittelalterlicher Ritter in der Gegenwart verloren wirkt. Die Arbeit kreist um Identität, Zugehörigkeit und Entfremdung. Beboshvili studierte von 2021 bis 2025 Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar.
Lorin Brockhaus untersucht, wie sich die Wahrnehmung der Umwelt verändert, wenn sich Standort oder Perspektive verschieben. In seiner Werkserie „Funnels“ verbindet er bedruckte und bemalte transparente Folien zu skulpturalen Objekten. Je nach Lichteinfall verändern diese ihre Farbwirkung. Die trichterförmigen Gebilde erzeugen den Eindruck eines Strudels und scheinen den Raum verlassen zu wollen – als Bild für Flucht und eine mögliche Zukunft. Brockhaus studierte von 2018 bis 2024 Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Die kubanische Künstlerin Dania González Sanabria macht ihre eigenen Migrationserfahrungen zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit. In einer Performance setzt sie sich mit Orientierungslosigkeit, Einsamkeit und der Trauer über das Zurückgelassene auseinander. In ein Schaffell gehüllt, läuft sie barfuß und mit gebeugtem Rücken durch den öffentlichen Raum. Die 2015 in Köln erstmals aufgeführte Performance wurde unter anderem in Brüssel, Leipzig, Paris und Weimar wiederholt. González Sanabria studierte von 2023 bis 2026 Public Art and New Artistic Strategies an der Bauhaus-Universität Weimar.
Zwischen europäischer und japanischer Bildhauertradition bewegen sich die Skulpturen von Karen Kamiya. Sie verbindet klassische Techniken wie Schnitzen und Meißeln mit performativen Elementen und greift zugleich Einflüsse der japanischen Bildkultur auf. In „Aqueus“ schnitzt sie ein Hahnentrittmuster in eine Holztafel und überspannt diese mit Jeansstoff. Durch unterschiedlich intensive Abreibungen wird das Muster sichtbar. Kamiya studierte von 2018 bis 2023 Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und war dort von 2023 bis 2026 Meisterschülerin.
Der Hallenser Künstler Martin Nielebock malt Natur, ohne sie unmittelbar abzubilden. Seine Arbeiten zeigen Naturphänomene in einer Art Zeitraffer. Besonders die gewaltigen Energien von Vulkanen beschäftigen ihn. Für seine reliefartigen Gemälde legt er auf Holzplatten plastische Strukturen an, aus denen Aschewolken hervorzutreten scheinen. Die neongrünen Bilder wirken zugleich rätselhaft und fremdartig. In einer weiteren Werkgruppe widmet sich Nielebock der menschlichen Anatomie. Er studierte von 2018 bis 2025 Malerei/Glas an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.
In den Arbeiten von Annelene Schreikrampf treffen handgefertigte Formen auf Hightech. Für die Ausstellung in Altenburg zeigt die in Leipzig lebende Künstlerin skurrile Wesen, die berühren und irritieren. Ihre Figuren fungieren als Stellvertreter für Erfahrungen von Schuld, Krieg, Katastrophen und kollektiven Ängsten. Schreikrampf studierte von 2018 bis 2024 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und ist dort seit 2024 Meisterschülerin.
Die in Marseille lebende Künstlerin Gesa Wagner arbeitet mit leisen Tönen und leichten Materialien, in denen sich Erinnerungen festsetzen. Sie löst Stoffe aus ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung und lässt sie als eigenständige Träger von Bedeutungen sichtbar werden. Das Material wird in ihren Arbeiten vom Werkzeug zum Botschafter. Auch zu Konfetti verarbeiteter Staub erhält dadurch eine poetische Dimension. Wagner studierte von 2020 bis 2024 Schmuck an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und war von 2024 bis 2025 Meisterschülerin.
Aus den acht künstlerischen Positionen wählt eine Jury die Preisträgerin oder den Preisträger des Jahres 2026. Der Lindenau-Förderpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Jury gehören Fachleute aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Medien sowie Vertreterinnen und Vertreter der fördernden Einrichtungen an:
Nora Schultz wird bei der Wahl nicht anwesend sein.
Mit dem Förderpreis knüpft das Lindenau-Museum an die Ideale seines Gründers Bernhard August von Lindenau an, der junge Künstlerinnen und Künstler unterstützte. Dem Förderpreis ging von 2006 bis 2018 das Bernhard-August-von-Lindenau-Stipendium voraus.
Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger sind Lena Melis Koneberg, die 2024 ausgezeichnet wurde, sowie Hanna Stiegeler. Ihr Preis wurde coronabedingt 2020 vergeben und 2022 verliehen.
Zur Ausstellung bietet das Lindenau-Museum ein umfangreiches Begleitprogramm an. Führungen finden am Donnerstag, 10. September, um 18 Uhr sowie am Sonntag, 27. September, und Sonntag, 11. Oktober, jeweils um 14 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Treffpunkt ist die Kasse im Prinzenpalais. Am 27. September treffen sich die Teilnehmenden bereits um 13.45 Uhr am Torturm zum Schlosshof.
Am Mittwoch, 16. September, lädt der Künstler Martin Nielebock von 18 bis 20 Uhr zur Werkstatt am Abend für Erwachsene ein. Unter dem Titel „Malerei + Wein: Relief aus Farbe – Schichten, Ziehen, Verdichten“ können die Teilnehmenden selbst praktisch arbeiten. Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht.
Am 24. und 25. September steht die Führung „Kaffeekränzchen“ auf dem Programm. Beginn ist jeweils um 14 Uhr. Im Preis von 10 Euro pro Person sind Kaffee und ein Stück Kuchen enthalten. Karten sind ab Dienstag, 22. September, 11 Uhr, ausschließlich im Vorverkauf an der Museumskasse im Residenzschloss erhältlich.
Karen Kamiya bietet am Mittwoch, 14. Oktober, von 18 bis 20 Uhr die Werkstatt „Muster + Wein: Gummistempeldrucke“ an. Die Teilnahme kostet 15 Euro pro Person, ein Glas Wein ist enthalten. Anmeldungen sind ab dem 1. Oktober möglich.
Ein weiteres Angebot richtet sich an Jugendliche. Unter dem Titel „Lass mal quatschen, Digga!“ laden junge Menschen zum Dialog über Kunst in der Ausstellung ein. Die Termine werden noch bekannt gegeben.
Für Schulklassen bietet das Museum einen 120-minütigen Ausstellungsrundgang mit Workshop an. In der „Experimentierwerkstatt Kunst“ ab Klassenstufe 3 werden Muster gestempelt, Folien gestaltet, Drahtskulpturen gebaut und Bilder aus Konfetti geklebt.
Für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 10 gibt es den 90-minütigen Ausstellungsrundgang „How to be(come) an artist“. Dabei können sie mit beteiligten Künstlerinnen und Künstlern über das Kunststudium und das Berufsleben sprechen. Termine sind auf Nachfrage vom 7. September bis 9. Oktober sowie vom 26. bis 30. Oktober 2026 möglich. Eine Anmeldung ist spätestens 14 Tage vor dem gewünschten Termin erforderlich.
Anmeldungen zum Begleitprogramm sind unter 03447 8955-520 oder per E-Mail an studio@altenburger-museen.de möglich. Schulklassen wenden sich an 03447 8955-453 beziehungsweise -520 oder an schule@altenburger-museen.de.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog, der von Dr. Roland Krischke, Direktor der Altenburger Museen, für das Lindenau-Museum herausgegeben wird. Die Texte stammen von Dr. Benjamin Rux.
Der Softcover-Band umfasst 100 Seiten und 80 Abbildungen. Der Katalog ist zum Preis von 18 Euro erhältlich.
Lindenau-Förderpreis 2026
8. September bis 1. November 2026
Sonderausstellung des Lindenau-Museums Altenburg im Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg
Kuratiert von Nora Frohmann und Dr. Benjamin Rux
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen, 11 bis 17 Uhr
Eintritt:
4 Euro, ermäßigt 3 Euro
Der Zugang zu den Ausstellungsräumen im Prinzenpalais ist nicht barrierefrei.
Kommentare