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Der Denkmalpreis des Altenburger Landes geht an: | Landratsamt Altenburger Land

Landratsamt Altenburger Land (Foto: Ronny Franke)

Der Denkmalpreis des Altenburger Landes geht an:

Zeitgeschehen Pressemitteilungen
08.09.2023, 20:03 Uhr
Von: Landratsamt Altenburger Land
Jörg Franke – Hillerturm und Kirchgemeinde Grünberg – Dorfkirche Grünberg

Jörg Franke und die Kirchgemeinde Grünberg werden heute Abend im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ mit dem Denkpreis des Landkreises ausgezeichnet.

 

Laudatio von Landrat Uwe Melzer auf Jörg Franke 

Getreu dem Motto „Talent Monument“ möchte ich heute ein eher im Verborgenen gelegenes Denkmal in den Mittelpunkt stellen. Wer schon einmal an der Kreuzung in Schmölln aus Richtung Crimmitschau kommend gestanden hat, wird dieses Denkmal vielleicht entdeckt haben: Den Hiller-Turm - ein über den villenartigen Häusern hervorragender Steinturm, der seit einiger Zeit wieder im historischen Glanz erstrahlt. Dieser Turm wurde nach seinem Erbauer Curt Hiller benannt, der diesen neben einigen Teichen und einer Grotte im Jahre 1904 errichten ließ. Die Fertigstellung hat er leider nicht mehr erlebt, da er - so sagt der Volksmund - im Jahre 1905 wegen Liebeskummer den Freitod wählte. Diese Geschichte ist nur eine, die sich um den Turm rankt. So sollen die Anlage und der Turm als Liebesbeweis für die Tochter der Ritterschen Gärtnerei in Schmölln, die sich am Fuße des Pfefferberges befand, errichtet worden sein. Älteren Schmöllnerinnen und Schmöllnern ist dieser Turm vielleicht noch als „Milchkurgarten“ bis zur Enteignung 1950 bekannt. Aber neben den tollen Erzählungen, die sich um das Denkmal drehen, gibt es auch einen Mann, den wir heute auszeichnen möchten: Jörg Franke.

Im April 2018 erwarb er das verwilderte Anwesen, in dem sich wie im Dornröschenschlaf ein Jugendstil-Kleinod befand. Den Turm, die Teiche und die gesamte Parkanlage mit Felsgrotte hatte die Natur längst wieder in Besitz genommen und dem Denkmal massive Schäden zugefügt. Jörg Franke nahm sich der Aufgabe an und schuf mit Akribie, großem Eifer und auch mit enormen finanziellen Mitteln abseits der großen Öffentlichkeit einen Ort, der nun zur Entspannung und zum Entfliehen aus dem Alltag einladen soll. Nach dem Kauf im April 2018 ließ er in enger Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises ein denkmalpflegerisches Konzept erstellen. Hierbei wurden die Schäden analysiert und ein Restaurierungsplan aufgestellt. So wurde an der Turmanlage der historische Noppenputz ausgebessert und erneuert. Alle Fenster wurden restauriert und fehlende Scheiben mit Glas aus der Erbauungszeit wieder komplettiert. Die Turmplattform wurde erneuert und gegen Nässe abgedichtet. Die Ausstiegsluke erhielt aus Sicherheitsgründen eine elektrisch gesteuerte Hydraulikanlage. Im Inneren des Turmes wurden die Tapeten aus DDR-Zeiten entfernt und die ursprüngliche Wandfassung restauriert. Die Felsengrotte wurde aufwendig saniert und eine neue Zaunanlage im Stil der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert umschließt das Anwesen. Die von den Denkmalbehörden gemachten Auflagen wurden noch übertroffen und das idyllische Kleinod erstrahlt wieder in der Gestalt, wie es Curt Hiller angedacht hatte, aber nie in Vollendung sah. Ihrem denkmalpflegerischen Engagement, Ihrem Eifer und Ihrer Hingabe für dieses Stück Schmöllner Kulturgeschichte gilt mein größter Respekt. Ich wünsche Ihnen noch viel Kraft und sage recht herzlichen Dank für diese Leistung.

 

Laudatio von Landrat Uwe Melzer auf die Kirchgemeinde Grünberg 

Wenn Kirchen reden könnten, dann könnten sie erzählen von den vielen Menschen, die in ihr Freud und Leid, Glück und Unglück, Frieden und Krieg erlebt haben. Bei der Dorfkirche in Grünberg kommt noch hinzu, dass der Ort mehrmals die Landesherrschaft wechselte, aber beständig seit der Reformation zur sächsischen Landeskirche gehört. Der Spagat zwischen Thüringer Landesrecht und sächsischem Kirchenrecht stellt für die Kirchgemeinde Grünberg eine besondere Herausforderung dar. Es braucht eine Kirchgemeinde, die mit Eifer und Enthusiasmus Spenden einwirbt und ihre Mitglieder so motiviert, dass nicht nur eine schön instandgesetzte Kirche im Dorf steht, sondern diese auch mit Leben erfüllt ist. 

Das Kirchengebäude, das heute im Mittelpunkt der Auszeichnung für bürgerliches Engagement in der Denkmalpflege im Landkreis steht, war bei seiner Errichtung im ausgehenden 13. Jahrhundert das Bindeglied zwischen Dorfbewohnern und der angrenzenden Gemeinschaft adliger Damen, die nach dem Regelwerk des Zisterzienserordens lebten. 1292 gaben sie den Standort in Grünberg auf und gründeten das Kloster in Frankenhausen bei Crimmitschau. Die Kirche blieb in ihrer Ursprünglichkeit auch über die Reformation hinweg erhalten. 1698 erhielt der romanische viereckige Turm einen achteckigen Turm mit barocker Turmhaube und Helm. Im Laufe des 18. Jahrhundert wurden die Emporen eingebaut und 1904 erfolgte eine umfassende Sanierung. Es wurde ein Westanbau geschaffen und der Kirchraum zeitgemäß im Jugendstil gestaltet. Leider wurden die Zeiten für Kirchen und ihre Gemeinden Jahre später rauer und das Gebäude konnte nicht mehr unterhalten werden, so dass im Jahre 1988 die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Seit 1990 wurden teilweise die Schäden am Turm und am Dach beseitigt und der Außenputz erneuert. Ab 1994 wurde der ganze Chor aufwendig statisch gesichert. Dass sich diese Kirche heute wieder so zeigen kann, verdanken wir denen, die sich damals, 1998, für den Erhalt und die grundhafte Instandsetzung in einer Bürgerbefragung in Grünberg ausgesprochen haben. Diese Befürworter unterstützen finanziell oder einfach nur mit ihrer Hände Arbeit die nun abgeschlossene Generalinstantsetzung. Aber auch den Pfarrern im Ruhestand Klaus Appel und Klaus Albers sowie ihren Familien sei gedankt. Sie setzten sich mit ganzer Kraft für die Erhaltung der Kirche ein. Dem Architekten Dipl. Ing. Hans Günter Herrmann, in Zusammenarbeit mit dem Statiker Dr. Roland Zepnik, dem Restaurator Brasche und vielen Handwerkern gelang es, das Alte in der Kirche respektvoll zu bewahren und Neues zu integrieren. Nach nunmehr 33-jähriger Instandsetzung laden die neuen Glocken wieder zum Gottesdienst in den komplett instandgesetzten Kirchenraum ein und geben dem Ort wieder ein Zentrum für das Seelenheil und die Kultur. Hierfür gebührt Ihnen mein allerherzlichster Dank.

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