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Schösslinge der tausendjährigen Eiche in Nöbdenitz gedeihen im landkreiseigenen Baumkindergarten | Graben gemeinsam die letzten Schösslinge aus: v.l.n.r. Landrat Uwe Melzer, Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade, Freiherr von Thümmel alias Frank Wunderlich, Luckas Bürgermeisterin Kathrin Backmann-Eichhorn sowie Birgit Seiler und Thomas Neidhardt von der unteren Naturschutzbehörde.

Graben gemeinsam die letzten Schösslinge aus: v.l.n.r. Landrat Uwe Melzer, Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade, Freiherr von Thümmel alias Frank Wunderlich, Luckas Bürgermeisterin Kathrin Backmann-Eichhorn sowie Birgit Seiler und Thomas Neidhardt von der unteren Naturschutzbehörde. (Foto: Landratsamt Altenburger Land)

Schösslinge der tausendjährigen Eiche in Nöbdenitz gedeihen im landkreiseigenen Baumkindergarten

Zeitgeschehen Pressemitteilungen
29.05.2023, 11:07 Uhr
Von: Yvonne Danz, Öffentlichkeitsarbeit, Landratsamt Altenburger Land
Die jungen Eichenbäumchen sollen in etwa drei Jahren im Landkreis Altenburger Land verpflanzt werden/ Interessenten für einen Baum können sich bei der Stadt Schmölln oder bei der unteren Naturschutzbehörde melden

Hans Wilhelm Freiherr von Thümmel, Geheimrat, Minister und Diplomat im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg, war entzückt. Was sich da um sein Grab herum tat – 1824 wurde er auf eigenen Wunsch im Wurzelwerk der Nöbdenitzer Eiche beigesetzt – erregte seine Aufmerksamkeit so sehr, dass er für ein paar Stunden seine Auferstehung zelebrierte, um mit eigenen Augen zu sehen, was hier geschah. Möglich wurde dies freilich nur, weil sich der Vorsitzende des Nöbdenitzer Ortsverschönerungsvereines Frank Wunderlich im Beisein von Landrat, Presse, Funk und Fernsehen am Vormittag des 27. April perfekt kostümiert in den vor 199 Jahren verstorbenen Thümmel verwandelt hatte.

Die tausendjährige Eiche in Nöbdenitz gilt laut Guinness-Buch der Rekorde als älteste Stileiche Europas. Sie steht mitten im Ortszentrum der kleinen Gemeinde. Ihre Krone ist Jahr für Jahr prächtig grün. Damit der Stamm nicht auseinanderbricht, wird er von einem eisernen Gerüst gehalten. In den zurückliegenden Monaten hat der Baum beinahe unbemerkt reichlich Nachwuchs produziert: 200 Schösslinge haben um seinen Stamm herum das „Licht der Welt erblickt“. Dank aufmerksamer Mitarbeiter des Schmöllner Bauhofes und der unteren Naturschutzbehörde, die „das neue Leben“ entdeckten, werden die zarten Bäumchen im Altenburger Land jetzt eine Zukunft haben.

Gemeinsam entwickelten die Stadt Schmölln, die untere Naturschutzbehörde des Landkreises und der Landschaftspflegeverband Altenburger Land dafür einen Plan. Bereits in der ersten Aprilwoche waren alle Vorbereitungen soweit gediehen, dass der überwiegende Teil der Schösslinge vorsichtig ausgegraben und ein paar Kilometer weiter auf einer mit Pflanzgräben versehenen landkreiseigenen Fläche ebenso vorsichtig wieder eingegraben werden konnten. Von den zirka 200 aufgegangenen Schösslingen waren aus Sicht der Fachleute des Landschaftspflegeverbandes und der unteren Naturschutzbehörde 175 geeignet, um weiter „aufgeschult“ zu werden.

Sechs der etwa anderthalb Meter hohen Eichenheister wurden schließlich am 27. April vom Nöbdenitzer Mutterbaum getrennt. Und natürlich ließ es sich der kurzzeitig auferstandene Wilhelm Freiherr von Thümmel nicht nehmen, gemeinsam mit Landrat Uwe Melzer die Schösslinge per Spaten sachte aus dem Erdreich zu heben – unter strenger Aufsicht der Fachfrauen und Fachmänner der unteren Naturschutzbehörde versteht sich. „Wenn die Völker dieser Erde auch in den nächsten tausend Jahren weiterleben möchten, müssen wir deutlich mehr für die Natur und das Klima tun. Unsere Bäume sorgen für saubere Luft und frisches Wasser, jeder einzelne Baum tut uns gut“, formulierte Freiherr von Thümmel alias Frank Wunderlich seinen Appell an die Menschen. Für Birgit Seiler, Leiterin des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz im Landratsamt, liegen die Argumente für das Retten und Aufpäppeln der Schösslinge klar auf der Hand: „Unsere tausendjährige Eiche besitzt einen super Genpool. Sie ist robust, widerstandsfähig und hat vor allem autochthone Erbmasse, die vor schädlichen Einflüssen schützt, sie steckt Dürre, Frost und Sturm gut weg. Diesen Genpool wollen wir mit den 175 Nachkommen unbedingt in unserer Region erhalten.“

In den nächsten drei Jahren werden die Schösslinge nun nahe Schmölln in Ruhe gedeihen und ein stabiles Wurzelwerk ausbilden können, um danach im Landkreis verpflanzt zu werden. Zu diesem Zwecke hatten die Kollegen des Landschaftspflegeverbandes Altenburger Land ein etwa 20 mal 20 Meter großes Pflanzencamp angelegt, eine Minibaumschule, die vom Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes, Diplom-Forstwirt Hartmut Reinhold, und seinem Team betreut wird. Hier stehen die Bäumchen dicht an dicht auf standortgerechtem Boden, damit sie schön schlank bleiben.

Freudestrahlende Beobachterin des Treibens am 27. April und erste Nutznießerin der ganzen Aktion war Luckas Bürgermeisterin Kathrin Backmann-Eichhorn, denn sie bekam die ersten sechs schon relativ kräftigen Schösslinge überreicht – von Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade, der rechtlich gesehen nämlich nun stolzer Besitzer von 175 jungen Eichen ist, nachdem das kleine Nöbdenitz bekanntlich vor vier Jahren in die Sprottestadt eingemeindet wurde. Sodann machten sich alle Beteiligten noch am selben Tag auf den Weg nach Lucka.

Die Verpflanzung hatte die untere Naturschutzbehörde mit der Stadt Lucka intensiv vorbereitet, denn sie ist Bestandteil eines von der Behörde entwickelten Hybridpappelumbaukonzeptes. „Vergangenen Herbst mussten in Lucka entlang des Prößdorfer Weges auf einer Länge von etwa fünfhundert Metern überalterte, nicht mehr standsichere und damit den Verkehr gefährdende Hybridpappeln gefällt werden. Aus Lucka kam der Wunsch einer möglichst zügigen Wiederbestockung“, so Thomas Neidhardt von der unteren Naturschutzbehörde, der den Umbau der Hybridpappeln naturschutzfachlich begleitet. „Hybridpappeln haben mit etwa sechzig Jahren eine relativ kurze Lebenserwartung. Die Flachwurzler besitzen mit zunehmendem Alter eine knollenartige Wurzel, wodurch die Standsicherheit abnimmt. Den Prößdorfer Weg erneut mit Hybridpappeln zu bestocken, wäre also nicht zielführend“, erklärt der Experte weiter. Deshalb entschied man gemeinsam, die fünf kräftigsten Jungeichen aus Nöbdenitz dort einzusetzen. Fortan werden sie von den Mitarbeitern des Bauhofes der Stadt gehegt und gepflegt.

Alle legten sie beim Pflanzen der ersten Jungeichen entlang des Prößdorfer Weges mit Hand an: Landrat Uwe Melzer, Luckas Bürgermeisterin Katrin Backmann-Eichhorn, die Chefin des Landschaftspflegeverbandes Doreen Rath. Nur einer fehlte: Freiherr Hans Wilhelm von Thümmel. Er war in seinem Grab längst wieder zur Ruhe gekommen und wacht weiter über die Nöbdenitzer Eiche – ein Relikt aus waldgeschichtlich längst vergangenen Zeiten der einst natürlichen Waldbestockung im Osterland.
 

Am Prößdorfer</span><span>&nbsp;</span><span>Weg in Lucka</span><span>&nbsp;</span><span>pflanzen der Landrat und die&nbsp;</span><span>Bürgermeisterin gemeinsam</span><span>&nbsp;mit Doreen Rath, Geschäftsführerin des</span><span>&nbsp;Landschaftspflegeverbandes</span><span>&nbsp;Altenburger Land, die ersten</span><span>&nbsp;Jungeichen ein. (Foto: Landratsamt Altenburger Land)<br>&nbsp;
Am Prößdorfer Weg in Lucka pflanzen der Landrat und die Bürgermeisterin gemeinsam mit Doreen Rath, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Altenburger Land, die ersten Jungeichen ein. (Foto: Landratsamt Altenburger Land)
 

Wer hat Interesse an einem Schössling?

Bürgerinnen und Bürger, die Interesse an einem Schössling haben, können gern einen geeigneten Standort im Altenburger Land vorschlagen und sich diesbezüglich mit der Stadtverwaltung Schmölln oder der unteren Naturschutzbehörde (thomas.neidhardt@altenburgerland.de) in Verbindung setzen. Durch die untere Naturschutzbehörde wird dann geprüft, ob der Standort geeignet ist, denn Stieleichen brauchen vor allem viel Platz und reichlich Wasser, um so imposant zu werden wie die Grabeiche in Nöbdenitz. Mit Hinweisen zur Pflege der Jungbäume möchte die untere Naturschutzbehörde die Bürger zudem unterstützen.


Informationen gesucht

Baumfreunde haben sich bereits in der Vergangenheit bemüht, Schösslinge der Nöbdenitzer Eiche großzuziehen. Die untere Naturschutzbehörde möchte das botanische Erbe dieses Baumes dokumentieren. Deshalb bitten wir all jene, die bereits einmal Jungbäume der Nöbdenitzer Eiche verpflanzt haben, sich bei der  unteren Naturschutzbehörde zu melden, um die Dokumentation zu vervollständigen.
 

Ansprechpartner:

Landratsamt Altenburger Land
Untere Naturschutzbehörde
Thomas Neidhardt
Tel.: 03447 586-496
E-Mail: thomas.neidhardt@altenburgerland.de
 

In einer eigens angelegten Baumschule auf einer&nbsp;</span><span>landkreiseigenen Fläche</span><span>&nbsp;nahe Schmölln werden die</span><span>&nbsp;jungen Eichen in den</span><span>&nbsp;nächsten drei Jahren in</span><span>&nbsp;Ruhe gedeihen können und</span><span>&nbsp;ein kräftiges Wurzelwerk</span><span>&nbsp;ausbilden. (Foto: Landratsamt Altenburger Land)
In einer eigens angelegten Baumschule auf einer landkreiseigenen Fläche nahe Schmölln werden die jungen Eichen in den nächsten drei Jahren in Ruhe gedeihen können und ein kräftiges Wurzelwerk ausbilden. (Foto: Landratsamt Altenburger Land)

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